Folter – der Begriff umschreibt das gezielte Zufügen von psychischer oder physischer Gewalt an Menschen. Heute wird er häufig eher mit der dunklen Vergangenheit wie etwa der Hexenverfolgung im Mittelalter, der spanischen Inquisition oder dem Nationalsozialismus verbunden. Doch trotz internationaler Ächtung ist Folter Realität, und das laut Amnesty International auch heute noch in 141 Staaten der Welt. Folter ist ein Phänomen, das WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen beschäftigt und eine Thematik, über die auch das Forum für internationale Sicherheit den so wichtigen Austausch anstoßen möchte. In Kooperation mit der Fachschaft Psychologie und der Hochschulgruppe Amnesty International lud das FiS am 11. Januar 2017 daher zu seiner zweiten Veranstaltung zum Thema „Folter im Namen der Freiheit“ ein. Bereits im Juni 2016 wurde im Rahmen einer Veranstaltung der drei studentischen Initiativen die ARTE-Dokumentation „Folter made in USA“ gezeigt, zu der Prof. Dr. Joachim Funke eine thematische Einführung gab. Bei der zweiten Veranstaltung im Januar teilte sich der Psychologieprofessor das Podium mit Prof. Dr. Sebastian Harnisch vom Institut für Politische Wissenschaft, Dr. Vedrin Sahovic, Mitglied der deutschen Expertengruppe von Amnesty International zum Thema Folter und Moderatorin Donna Doerbeck (FiS).

Zur Einführung gab Dr. Sahovic zunächst einen Überblick darüber, an welchen Orten der Welt und aus welchen Motivationen heraus auch heute noch gefoltert wird. Er beklagte dabei die aktuellen Auflösungstendenzen eines absoluten Folterverbots, welche weltweit zu beobachten seien. Prof. Dr. Funke widmete sich vor allem den Unterschieden zwischen physischer und psychischer Folter und führte den Begriff der so genannten “weißen Folter” ein. Dabei handelt es sich um Foltermethoden, die vor allem die Psyche von Menschen angreifen, jedoch nur schwer nachweisbar sind und aus diesem Grund z.B. in den USA zum Erpressen von Informationen angewandt wurden. Prof. Dr. Harnisch diskutierte u.a. die heikle Frage der politischen Legitimation der sogenannten Rettungsfolter, welche in Deutschland zum Beispiel im Fall Daschner angedroht wurde, um den Aufenthaltsort eines Entführungsopfers zu ermitteln. Aktuell wird die politische und moralische Legitimation der Rettungsfolter in der Öffentlichkeit auch im Lichte der wachsenden Bedrohung durch den internationalen Terrorismus diskutiert. Eine Problematik, die auch das Publikum in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal am Psychologischen Institut beschäftigte. Bereits die Meinungsumfrage während der Podiumsdiskussion, ob es angesichts des Kampfes gegen die Gräueltaten des sogenannten “Islamischen Staates” angemessen sei, Maßnahmen wie Folter zu ergreifen, lieferte kontroverse Ergebnisse. Diese wurden nicht nur nach Öffnung des Plenums, sondern auch beim anschließenden Sektempfang bewegt diskutiert und boten Anlass zu Debatte und Austausch.