Heidelberger Dialog 2017


 

„Krieg und Konflikt 4.0 – Sicherheit in einer digitalisierten Welt“

27. bis 29. Oktober 2017

 

Der HDiS 2017 steht unter dem Thema „Krieg und Konflikt 4.0 – Sicherheit in einer digitalisierten Welt“. Vom 27. bis zum 29. Oktober wollen wir uns dem Forschungsgegenstand dabei wie gewohnt aus unterschiedlichen Perspektiven nähern und unseren TeilnehmerInnen eine facettenreiche Auseinandersetzung mit ihm bieten.

Hackerangriffe privater und auch staatlicher (oder staatlich beauftragter) AkteurInnen nehmen rasant zu – wie die Debatte über das Ergebnis der US-Wahl und dem damit verbundenen E-Mail-Skandal der Demokratischen Partei zeigt. Vorratsdatenspeicherung, Datensicherheit, und Überwachung im Internet zählen zu den brisantesten Gegenständen der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Gleichzeitig werden vernetzte Gesellschaften immer anfälliger für Attacken auf kritische Infrastrukturen, etwa Krankenhäuser, Kraftwerke, Flughäfen oder gar Parlamente.

(Autonome) Kampfroboter und Drohnen ersetzten in zunehmendem Maße konventionelle Streitkräfte und verändern dadurch die bekannte Dynamik militärischer Konfliktaustragung. Derartige Waffensysteme jedoch entziehen sich bisher weitgehend rechtlicher Regulierungen der Konfliktaustragung, die für konventionelle Streitkräfte im Völkerrecht festgeschrieben sind.

Nicht zuletzt stellt auch gezielte Fehlinformation („Fake-News“), eingesetzt zur Manipulation der öffentlichen Meinung, einen zentralen Baustein neuartiger hybrider Kriegsführung dar. Ob wir uns also einem Zeitalter digitalisierter (Propaganda-)Kriege gegenübersehen oder ob die Internationale Gemeinschaft digitale Konfliktformen erfolgreich einhegen wird, ist zentrale Frage bei der Beschäftigung mit Sicherheit in einer digitalisierten Welt.

Der HDiS beginnt auch in diesem Jahr am Freitagabend mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion:

Podiumsdiskussion | Das digitale Zeitalter – Gefahr oder Chance für die Demokratie?

Freitag, 27. Oktober 18 Uhr, Hörsaal 14 Neue Universität

Diskutanten:

Julia Schuetze, Stiftung Neue Verantwortung

Dr. Mart Laanemäe, Botschafter der Republik Estland in der Bundesrepublik Deutschland

tba

Moderation:

Stefan Steiger

Ab Samstag werden in drei Workshops unterschiedliche thematische Schwerpunkte diskutiert:

Workshop 1 | Automatisierung und Autonomisierung der Kriegsführung

Im militärischen Bereich haben in den vergangenen Jahren besonders unbemannte und automatisierte beziehungsweise autonome Waffen- und Verteidigungssysteme einen Bedeutungszuwachs erfahren. In der gesellschaftlichen Debatte werden jedoch zahlreiche unterschiedliche Phänomene unter diesen Schlagworten vermischt. Während ein automatisiertes System zumindest formal noch menschlicher Kontrolle unterliegt und zwingend menschliche Unterstützung benötigt, um seine (ebenfalls vom Menschen vorgegebenen) Aufgaben zu erfüllen, handelt das autonome System im Rahmen der Zielerfüllung selbstständig und ist sogar in der Lage, sich eigenmächtig Ziele zu setzen. Die Kriterien der „meaningful human control“ und der „menschlichen Letztentscheidung“ als ethische Minimalanforderungen für die Anwendung tödlicher Gewalt werden damit weitgehend entkernt.

Gerne verweisen BefürworterInnen der neuen Technik auf den Umstand, dass der Einsatz automatischer und insbesondere autonomer Waffensysteme zu einem verbesserten Schutz der eigenen SoldatInnen führe, die sich hierdurch unmittelbaren Kampfhandlungen zumindest teilweise entziehen könnten. KritikerInnen halten dem den Einwand entgegen, die Anwendung trage zu einer zunehmenden „Entmenschlichung“ oder „Klinisierung“ der Kriegsführung bei. Würde zum Beispiel ein Roboter jemals aus Gewissensgründen einen rechtswidrigen Befehl verweigern?

 

Leitfragen:

Was ist automatisierte Kriegsführung und wo liegt der Unterschied zwischen automatischen und autonomen Waffensystemen?

Welche Vor- und Nachteile bergen derartige Entwicklungen für moderne Streitkräfte? Führt die „Kriegsführung des neuen Jahrtausends“ zu einem Verlust von Moral und Menschlichkeit?

Wie gestaltet sich die Rolle des Menschen als „ethical governor“ im Umgang mit automatischen und autonomen Systemen? Welche Risiken stellen moderne Waffensysteme in der Hand nichtstaatlicher AkteurInnen dar?

Leitung: Dr. Niklas Schörnig, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung

Workshop 2 | Cybersicherheit - Die Schattenseiten digitaler Vernetzung

Cyber-Angriffe beeinflussen zunehmend die Sicherheitswahrnehmung von Gesellschaften. Die Debatte über diese neue Art von Verwundbarkeit ist dabei mitunter durch Alarmismus geprägt.

Bereits ein kurzer Blick auf bisherige Cyber-Attacken offenbart ein ausgenommen heterogenes Problemfeld. Die Formen der Konfliktaustragung reichen von niedrigschwelligen kurzfristigen Einzelangriffen bis hin zu langfristigen strategischen Auseinandersetzungen mit potenziell drastischen Folgen, die die Offline-Welt massiv beeinträchtigen können. Die Bandbreite beteiligter AkteurInnen ist ebenso weit wie das Spektrum der verwendeten technischen Mittel. Bekannte Beispiele für Cyber-Angriffe sind die umfassenden DDoS-Attacken gegen Ziele in Estland 2007 oder der Wurm „Stuxnet“, der iranische Urananreicherungszentrifugen sabotierte. Insbesondere „Stuxnet“ sorgte für weitreichende internationale Diskussionen über neue Formen zwischenstaatlicher Konfrontation, wurde der Angriff doch vielfach als „digitaler Erstschlag“ wahrgenommen. Die Sicherheit kritischer Infrastrukturen wie von Flughäfen, Krankenhäusern oder Kraftwerken ist in der Folge entsprechend intensiv diskutiert worden. Mittlerweile werden Cyber-Angriffe zudem oftmals gemeinsam mit konventionell-militärischen Mitteln verwendet, wodurch sich eine Verschränkung von on- und offline Instrumenten ergibt.

 

Leitfragen:

Wie lässt sich das Problemfeld begrifflich angemessen behandeln? Sind analytische Konzepte wie „Cyberwar“ angesichts der empirischen Phänomene angebracht?

Inwiefern stellt der Cyberspace tradierte strategische Konzepte (bspw. Abschreckung oder Rüstungskontrolle) infrage?

Wie nutzen Staaten die neuen Möglichkeiten der Konfliktaustragung und wie gehen sie mit ihrer eigenen Verwundbarkeit um?

Inwiefern nutzen nichtstaatliche AkteurInnen Cyber-Angriffe für ihre Zwecke?

Leitung: Matthias Schulze, Stiftung Wissenschaft und Politik

Workshop 3 | Ambivalenzen „Neuer Medien“ in politischen Konflikten

In den letzten Jahren sind soziale Medien ein fester Bestandteil innerstaatlicher Konflikte geworden. Sinnbildlich hierfür steht der Arabische Frühling, der erstmals den weitreichenden Einfluss sozialer Medien in innerstaatlichen Konflikten zeigte. WissenschaftlerInnen beobachteten wie einzelne BürgerInnen die digitalen Medien nutzten, um die Menschen zu mobilisieren, Netzwerke aufzubauen und über das Vorgehen der Regierungen zu berichten. Eine staatliche Gegenbewegung ist aber bereits länger zu erkennen. So setzt die iranische Regierung beispielsweise „Neue Medien“ ein, um DemonstrantInnen zu identifizieren, zu lokalisieren und gefangen zu nehmen. In Syrien versucht die Regierung der Koordination von Rebellengruppen durch gezielte Internet-Shutdowns entgegenzuwirken. Diese Beispiele zeigen die Einsatzmöglichkeiten „Neuer Medien“, die sowohl von oppositionellen Bewegungen wie von Regierungen für ihre Zwecke instrumentalisiert werden.

Darüber hinaus werden internetbasierte Kommunikation und insbesondere soziale Netzwerke zunehmend zum Schauplatz zwischenstaatlicher Konfliktaustragung. Verstärkt missbrauchen staatliche und nichtstaatliche AkteurInnen das Potenzial „Neuer Medien“ zur Beeinflussung des politischen Diskurses im Ausland; besonders prominent werden in diesem Kontext derzeit Aktivitäten der russischen Regierung debattiert.

 

Leitfragen:

Wie nutzen verschiedene AkteurInnen „Neue Medien“ in inner- und zwischenstaatlichen Konflikten?

Wie wirken internetgestützte Medien auf den Verlauf inner- und zwischenstaatlicher Konflikte?

Wie sollen individuelle NutzerInnen mit konfliktbezogenen Informationen in digitalen Medien umgehen? Bieten zum Beispiel die Standards des konfliktsensitiven Journalismus erste Anhaltspunkte?


 

Anmeldung:

Eine Anmeldung zum HDiS und den entsprechenden Workshops ist ab sofort hier möglich. Der Teilnahmebeitrag beträgt 30 Euro.

Der HDiS 2017 wird finanziell durch den StudierendenRat der Universität Heidelberg gefördert:

ZEIT-Stiftung

Weitere Kooperationspartner:

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