Der diesjährige “Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit” (HDIS) „Lebens- und Konfliktquelle Wasser. Über das Eskalationspotential einer neuen Leitressource“ vom 19. bis 21. November 2021 digital über Zoom setzt sich mit einem bereits aktuellen, aber vor allem für die Zukunft wichtigen Thema auseinander. Bereits heute sind Konflikte um Wasser angesichts seiner Bedeutung für die Gesundheit, Landwirtschaft, Energiegewinnung und Wirtschaft keine Seltenheit mehr. Dabei wird der Zugang zu Wasser und seinen Quellen zukünftig vor dem Hintergrund des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums sowie des Klimawandels zu neuen Konflikten führen sowie schon bestehende Auseinandersetzungen verschärfen.

In einer dreitägigen, digitalen Konferenz werden die Teilnehmenden die Möglichkeit haben, ein besseres Verständnis für aktuelle und zukünftige Wasserkonflikte zu erhalten. In einem einführenden Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde am Freitagabend wird zunächst ein Überblick über die unterschiedlichen Akteursgruppen und ihre Interessen gegeben, die in Hydrokonflikten eine Rolle spielen. Auf dieser Grundlage werden am Folgetag zwei parallele Workshops stattfinden, bei welchen die Teilnehmenden die Wahl zwischen einem tieferen Einblick in die Konfliktsituation entweder entlang des Nils in Afrika oder entlang des Mekongs in Asien haben werden. Zum Abschluss des HDIS steht am letzten Tag der Konferenz ein interaktives Planspiel auf dem Programm, in dem die Teilnehmenden ihr erworbenes Wissen in einem Zukunftsszenario aktiv anwenden und ihr Verhandlungsgeschick verfeinern können.

Neben des fachlichen Inputs wird es im Rahmen der Konferenz Gelegenheiten geben, sich miteinander auszutauschen und im digitalen Rahmen zu vernetzen.
Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos.


Folgende Veranstaltungen werden im Rahmen des 13. Heidelberger Dialogs zur internationalen Sicherheit im digitalen Format stattfinden:

 

Freitag, den 19. November 2021, 18.00 – 20.00 Uhr: Einführungsveranstaltung “Konflikt und Kooperation an internationalen Flüssen” mit Podiumsdiskussion

Den Auftakt des dreizehten HDIS stellt eine in das komplexe Themengebiet einführende Veranstaltung dar. Der Vortrag führt in zentralen Einsichten in das Thema aus Politikwissenschaften, Völkerrecht, Institutionenökonomie und kritischer Geographie ein und illustriert diese an ausgewählten Beispielen. Er geht auf folgende Fragen ein:

Unter welchen Bedingungen kommt es zur Bildung internationaler Wasserregime? Welche Rolle spielt das Völkerrecht? Welche Möglichkeiten existieren zur Realisierung von Kooperationsgewinnen und Vorteilsausgleich? Ist die Existenz eines internationalen Wasservertrags mit Kooperation gleichzusetzen? Wie kann die Abwesenheit von Kriegen und die Gleichzeitigkeit von Konflikt und Kooperation erklärt werden?

Die gesamte Informationsveranstaltung gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Teile: Auf ein Informationsvortrag eines*r Expert*in folgt eine Diskussionsrunde mit weiteren Diskutierende und einem Q&A. Abschließend soll den Teilnehmenden des HDIS die Möglichkeit gegeben werden, in einem informellen Rahmen die Diskussion weiter zu führen und sich untereinander sowie mit den Referierenden zu vernetzen.

Referentin: Dr. Ines Dombrowsky, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik

Dr. Ines Dombrowsky arbeitet als Programmleiterin des Forschungsprogrammes “Umwelt-Governance und Transformation zur Nachhaltigkeit” beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Zu ihren Arbeitsgebieten zählen dabei die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, das integrierte Wasserressourcen-Management, die Transformation von Wasser-Governance sowie der gesamte Nexus “Wasser-Energie-Nahrung”. Zuvor war sie u.a. beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, der Weltbank in Washington D.C. sowie der Deutschen Technischen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn tätig.

 

 

Anschließende Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion:

  • Barbara Gerhager, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

 

Samstag, den 20. November 2021, 9.00 – 16.00 Uhr: Zwei parallele Workshops zu regionalen Wasserkonflikten

Am Samstag haben die Teilnehmenden per unverbindlicher Angabe einer Präferenz die Möglichkeit, zwischen zwei verschiedenen Workshop-Angeboten zu wählen:


Workshop 1: Afrikanische Hydrokonflikte entlang des Nil

Der Workshop zu Wasserkonflikten in Afrika soll anhand des Nils und der ihm anhaftenden (Sub-)Konflikte einen Überblick über das Thema geben. So bietet der längste Fluss des Kontinents eine interessante Varianz an Konfliktphänomenen, die sich aus der Topographie und politisch-geographischen Lage an den jeweiligen Flussabschnitten ergeben.

Der Workshop soll erkunden, welche Formen von Wasserkonflikten, wie z.B. die Privatisierung von Wasserressourcen oder Staudamm-Projekte, eine Rolle am Nil spielen. Ebenso soll der Einfluss globaler Mächte und ihrer geostrategischen Investments kritisch beleuchtet und untersucht werden, inwieweit Konflikte um Wasserressourcen sich mit anderen Konflikten verschränken und diese verschärfen, oder aber auch neue Konflikte entstehen lassen.

Wasserkonflikte am und um den Nil haben von Energiegewinnung bis zur Landwirtschaft dahingehend verschiedene Gesichter und implizieren somit verschiedene Interessen und Perspektiven, die im Workshop anhand verschiedener Beispiele und Fälle betrachtet werden.

Referent: Dr. Martin Keulertz, American University of Beirut

Dr. Martin Keulertz arbeitet als Assistant Professor im “Food Security Programm” an der American University of Beirut. Dort unterricht er M.Sc.-Studierende in Themen rund um Nahrungs-Sicherheit in der MENA-Region und weiteren Regionen der Welt. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Strategien für Nahrungs- und Wasser-Sicherheit in der MENA-Region und die Frage, wie eine rasch wachsende und sich entwickelnde Region ihren zukünftigen Nahrungsbedarf durch nachhaltige und angepasste Inlandsproduktion, Lebensmittel-Technologien und Agrarwirtschaft adressieren kann. Dr. Martin Keulertz baut dabei auf einem sozialwissenschaftlichen Hintergrund mit Politik- und Sozialwissenschaften (B.A.) und Middle East Politics (M.Sc.), aber auch Kenntnissen in Geografie (PhD am King’s College London) auf.

Ein kürzlich erschienener Artikel bei n-tv mit Beiträgen von Dr. Martin Keulertz hier

 


 

Workshop 2: ‘Transboundary Water Management and Geopolitics in the Mekong River’ [englisch]

The interactive workshop ‘Transboundary Water Management and Geopolitics in the Mekong River’ will introduce participants to the largest river in Southeast Asia which is increasingly at the centre of geopolitics and regional power dynamics. The workshop will focus on the multi-dimensional aspects of transboundary water management in the Mekong River, including its challenges, opportunities, diverse stakeholders, key organisations, and recent trends including interactive discussions allowing participants to embrace diverse perspectives when considering the need for cheap and reliable energy, the nexus of water-energy and food as well as broader bilateral and regional power dynamics all impacting on water governance and management in the Mekong River.

Referentin: Dr. Andrea Haefner, Griffith Asia Institute

Dr. Andrea Haefner ist seit 2019 Dozentin am Griffith Asia Institute in Brisbane, Australien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die internationalen Beziehungen im asiatisch-pazifischen Raum, insbesondere im Hinblick auf nicht-traditionelle Sicherheitsfragen wie Umweltsicherheit und Wassermanagement. Sie verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Hochschulen, Regierungen und internationalen Organisationen in Australien, Deutschland und Südostasien, insbesondere der Mekong-Region.

 

 

 


 

Sonntag, der 21. November 2021, 9.00 – 18.00 Uhr: Interaktives Planspiel zur multilateralen Resolution eines Wasserkonflikts im Nahen Osten

Mit dem Planspiel soll den Teilnehmenden die Möglichkeit geboten werden, ihre erlernten Kenntnisse über Wasserkonflikte und regionale Konfliktkonstellationen praktisch anzuwenden. Ziel wird es dabei sein, gemeinsam eine Lösung für einen solchen Konflikt zu finden. Aufbauend auf einem fiktiven Szenario werden die Teilnehmenden in verschiedenen Gruppen zu unterschiedlichen Delegationen, Ländern und Akteuren zugeteilt, deren Interessen sie im Verlauf des sich entfaltenden Szenarios vertreten werden. Am Ende der Verhandlungen sollen sich Vertreter*innen der Delegationen auf ein Memorandum of Understanding (MoU) einigen, um einen kontinuierlichen Konsultationsprozess zu initiieren.

Zum Abschluss des HDIS steht dementsprechend die interaktive Anwendung der erlernten Kenntnisse sowie das Training der Verhandlungs- und Konsultationsfähigkeiten auf dem Programm.