Wie im letzten Newsletter angekündigt, haben wir uns im Mai und Juni an ein bisher ungewohntes „Veranstaltungsformat“ zu einer zentralen Frage internationaler Sicherheit gewagt – statt Wissenschaftlern, Politikern, oder Militärangehöriger sprachen diesmal die Betroffenen selbst – durch die Fotografien von Mika Schmidt aus dem Kongo und Afghanistan. Die Vernissage am 9. Mai und die anschließende Ausstellung lockten zahlreiche Besucher an und wurden nicht nur von den studentischen „Bewohnern“ der Campus Bibliothek begeistert angenommen, sondern fanden auch in der regionalen Presse einige Beachtung (u.a. Hochschulmagazin Ruprecht und Mannheimer Morgen. Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei all denen Institutionen und Personen bedanken, die uns zu diesem Projekt ermutigt und bei der Realisierung unterstützt haben.


Seit Mittwoch den 09. Mai bieten die Räume der Campus Bergheim Bibliothek für interessierte Studenten, Professoren und Besucher eine Neuheit. Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen sind die Räumlichkeiten nicht nur Ort um zu lesen, recherchieren oder zu lernen, sondern auch Ort, an dem eine Fotografikausstellung für vier Wochen den universitären Alltag bereichert. Gezeigt werden Bilder des Berliner Fotografen Mika Schmidt über das Leben von Menschen aus den Krisengebieten Kongo und Afghanistan. Die Ausstellungseröffnung erfreute sich großem Interesse. Einführende Impulsvorträge boten den Besuchern die Möglichkeit sich in passender Atmosphäre auf die Bilder einzulassen und beim anschließenden Beisammensein anregende Gespräche zu führen.

Das „Forum für internationale Sicherheit“ (FIS), eine studentische Initiative und Organisator der Ausstellung, wählte das Konzept der Kunstaustellung, um Wissenschaft und Kunst für ein besseres und vielschichtiges Verständnis zusammen zu bringen. Die Kenntnis über die Lage vor Ort ist dabei unerlässlich, um die Konflikte besser zu verstehen und die menschliche Dimension besser zu begreifen. Daher ist es gerade für Wissenschaftler sehr hilfreich/notwendig, dass Menschen wie Mika Schmidt uns einen neuen Blickwinkel eröffnen und unseren Betrachtungs- und Analysehorizont erweitern. So können Wissenschaft, Journalismus und Kunst gemeinsam dazu beitragen, der Öffentlichkeit die andere Seite des Krieges zu zeigen und die politischen Debatten über Konflikte auf ganz unterschiedlichen Wegen zu ergänzen. Besonderem Dank gilt daher allen Unterstützern, die die Ausstellung möglich gemacht haben.


Interview mit Mika Schmidt

Mika Schmidt, geboren 1979, arbeitet als Fotojournalist und Dokumentarfilmer war während seines Besuchs in Heidelberg bereit einige Fragen zu beantworten, die dem Leser als wertvollen Einstieg oder Begleitung zu der Ausstellung dienen können:

Frage: Was ist deine Absicht? Was willst du mit deinen Bildern zeigen?

Mika Schmidt: Mein Anliegen ist es nicht den Krieg darzustellen – ich bezeichne mich auch nicht als Kriegsfotograf, sondern vielmehr als Fotograf der in Krisengebieten fotografiert. Vielmehr möchte ich auf das den Zustand und die Situation der Menschen in den betroffenen Regionen aufmerksam machen. Die Portraitreihe der vergewaltigten Frauen aus dem Kongo zeigt beispielsweise wenige Frauen, deren Schicksal allerdings stellvertretend für tausend andere steht. Ich möchte mit meinen Bildern den Menschen eine Stimme geben, die sonst zu wenig gehört werden und darauf hinweisen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, mit welchem Glück wir es zu tun haben, hier auf die Welt gekommen zu sein. Das ist eine meiner Aufgaben.

Frage: Wie kamst du zu dieser Aufgabe, wie hast du gemerkt, dass Fotografie das richtige für dich ist?

Mika Schmidt: Während meines Kulturwissenschaftsstudiums in Hildesheim erweiterte ich die Fotografie als passendes Medium um politische Themen. Ich fand früh heraus, wie gut ich durch Fotografien kommunizieren kann und die Betrachter auf Dinge aufmerksam zu machen, die mir wichtig sind. Vor allem Länder, von denen ich es wichtig finde zu berichten und von denen wir hier vielleicht nicht tagtäglich etwas mitbekommen

Frage: Du bist viel unterwegs. Was erlebst du auf deinen Reisen?

Mika Schmidt: Natürlich erlebe ich viel, aber es liegt mir fern, damit hausieren zu gehen. Ich war in vielen Ländern auf unterschiedlichen Kontinenten, da bekommt man ganz unterschiedliche Eindrücke, die Umstände sind von Land zu Land verschieden. Vielen Menschen geht es weitaus schlechter als es uns geht. Ich finde es wichtig, dass uns das bewusst ist – ich hoffe meine Fotografien tragen dazu einen Teil bei. Natürlich erlebt man so viel, ich habe viele unterschiedliche Menschen und deren Lebenssituation kennen gelernt. Es ist eine große Bereicherung und ich kann mich sehr glücklich schätzen, durch die Begegnungen mit vielen Menschen auch jedes Mal ein wenig über mich selbst zu lernen

Frage: Durch Ausstellungen, wie der aktuellen, teilst du deinen Erlebnisse mit vielen Menschen. Warum ist dir das ein Anliegen?

Mika Schmidt: Ich habe schon öfters mit Universitäten zusammengearbeitet. Es ist wichtig einen Austausch zwischen Wissenschaft und den Geschehnissen in anderen Regionen durch eine Erweiterung herbeizuführen. Ausstellungen wie die derzeitige in der Campus Bergheim Bibliothek bieten dafür einen Rahmen. Man kann sich austauschen, viele Gespräche führen und sich ein bisschen mehr auf die Dinge einlassen, von denen wir vielleicht noch nicht so viel Ahnung haben oder sie einfach während des Alltags so nicht wahrnehmen. Eine Ausstellung, sensibilisiert die Menschen und kann – gerade in einer Universität – dazu führen, dass etwas passiert. Jeder kann da seinen Teil dazu

Das Interview führte Paul Schaudt.