Krisenbogen Südchinesisches Meer

Am 2. Dezember 2015 fand im Heidelberg Center for American Studies (HCA) ein Vortrag zum Thema „Krisenbogen Südchinesisches Meer“ statt, der in Kooperation des Forums für Internationale Sicherheit und der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft e.V. organisiert wurde. Redner war Dr. Michael Paul von der Stiftung für Wissenschaft und Politik, der eingangs Fragen bezüglich der Konfliktursachen und des bisherigen Konfliktverlaufs erörterte.

Zu Beginn führte Dr. Paul detailliert die geostrategische Lage der Region ein und bereicherte dies durch zahlreiche historische Hintergrundinformationen, die den Zuhörern ermöglichten, die Entwicklung des Konflikts besser nachzuvollziehen. Dabei unterstrich er die wirtschaftlich bedeutenden Schifffahrtsrouten, die sich dort seit der Antike herausgebildet und maßgeblich zur Intensivierung des internationalen Handels beigetragen hatten. Im Folgenden nahm der Referent Bezug auf die gegenwärtige Situation im Konfliktgebiet und stellte dem Publikum die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Dimensionen der Auseinandersetzungen dar. Zentraler Punkt der Ausführungen waren die internationalen Streitigkeiten um die dort geplanten künstlichen Inseln. Dr. Paul zeichnete den bisherigen Verhandlungsgang, sowie den aktuellen Stand zwischen den zentralen Akteuren nach. Eine besondere Rolle im Streit um die Inseln wies der Referent der Volksrepublik China zu. Ihm zufolge sei der Konflikt einerseits zwischen China und den USA, andererseits aber auch zwischen der Volksrepublik und den übrigen Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, hier besonders Südkorea, die Philippinen und Japan, zu verorten. Sodann erläuterte der Experte die Positionen der jeweiligen an dem Konflikt beteiligten Akteure im Detail. Besonderes Gewicht verlieh Dr. Paul der Äußerung des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, die Armee der Volksrepublik sei zu militärischen Auseinandersetzungen bereit. Jedoch stünde das Südchinesische Meer auch im Mittelpunkt US-amerikanischer Interessen, wie er an einer Aussage Hillary Clintons festmachte. Weiterhin verweigere Washington eine Anerkennung der Souveränitätsansprüche Chinas auf die umstrittenen Inseln aus strategischen Gründen. Im Fokus des Engagement der USA stünde eine Stärkung der Rechte der Anrainerstaaten und eine Ausweitung der von ihnen geplanten Wirtschaftszone, so Dr. Paul.

Gegen Ende des Vortrages verwies Dr. Paul auf mögliche Ansätze zur Konfliktprävention. Seiner Meinung nach würden gemeinsame Patrouillenflüge von ASEAN-Staaten mittelfristig zur Beruhigung der Lage beitragen. Auch die innerstaatliche Dimension in allen beteiligten Staaten spiele eine relevante Rolle bei der Konfliktregulierung, mahnte er an.