Zum dritten Mal in Folge organisierte das Forum für internationale Sicherheit eine Ausstellung in der Campusbibliothek Bergheim. Das Ausstellungsformat zielt darauf ab, Einblicke in den Alltag und das Schicksal der von Konflikten betroffenen Bevölkerungen zu geben und so die wissenschaftliche Distanz zu den Konflikten zu überwinden.

Eröffnet am 12. Juni, thematisierte die Ausstellung unter dem Titel „Zwischen Stillstand und Gewalt: gefrorene Konflikte in ehemals sowjetischen Gebieten“ den Alltag in konfliktreichen Gebieten wie der Ostukraine, dem Nordkaukasus, Abchasien, Bergkarabach, Südossetien, Berg-Badachschan und Transnistrien/ Gagausien. Die Fotos zeigen die Menschen und ihre Geschichten, gefrorene und, wie im Falle der Ukraine, wieder aufflammende Konflikte und deren Konsequenzen.

Zum Auftakt der Ausstellung referierte im Rahmen der Vernissage Simon Weiß, Mitarbeiter am Institut für politische Wissenschaft, aus wissenschaftlicher Sicht über die Konfliktregionen. Er betonte die Auswirkungen der willkürlichen Grenzziehung in der Sowjetunion sowie die vielfältigen soziokulturellen, historischen und sprachlichen Probleme, die alle Regionen prägen. Immer wieder brechen entlang dieser Linien gewaltsame Konflikte aus. Zudem werden die bestehenden Konflikte häufig von externen Akteuren instrumentalisiert, sodass es oft zu einem abwechselnden Einfrieren und Wiederauftauen kommt.
Im Anschluss gab Fotograf Gianluca Pardelli (https://www.gianlucapardelli.com) Einblicke in die Hintergründe und Entstehungsgeschichten der Bilder. Er schilderte die Eindrücke seines Aufenthaltes in der separatistischen Region Donezk und betonte die Uneinigkeit innerhalb der Bevölkerung. Die Forderungen reichen von einer Föderalisierung, über Unabhängigkeit bis zur Rückkehr zu sowjetischen Verhältnissen.

Diese Meinungsvielfalt spiegelt sich in der ethnischen Zusammensetzung: Auf einem Gebiet von der Größe Deutschlands beheimatet der Nordkaukasus dreihundert Völker – jedes mit seiner eigenen, konfliktbehafteten Historie. Die ausgestellten Bilder dokumentieren vielfach die Einzelschicksale, die diese Vergangenheit hervorbringt. So berichtete Herr Pardelli von der Situation eines tadschikischen Gastarbeiters, der in Folge des Georgienkrieges in Südossetien festsitzt und seit mehreren Jahre keinen Kontakt zu seiner Familie hat. Er hat keine Möglichkeit auszureisen, denn sein Arbeitgeber in Moskau hat seinen Pass einbehalten und im de facto unabhängigen, aber international nicht anerkannten Staat Südossetien gibt es keine tadschikische Botschaft. Ohne Pass und ohne Geld sitzt er nun fest. Ein Foto der Kollektion zeigt den emotionalen Moment, in dem der Arbeiter mit Hilfe eines Mobiltelefons das erste Mal seit Jahren die Stimme seines Vaters hört.