Die Schattenseiten der Globalisierung: Transnationale organisierte Kriminalität und die Grenzen der traditionellen Staatlichkeit

Mit dem sechsten Heidelberger Dialog widmete sich das FiS dem Thema der Transnationalen Organisierten Kriminalität: Die Welt wird immer kleiner, Handels- und Kommunikationsnetzwerke umspannen inzwischen die ganze Welt und verbinden die entferntesten und unterschiedlichsten Orte miteinander, was die Ausdehnung der transnationalen organisierten Kriminalität (TOK) vorantreibt. Mit der wechselseitigen Begünstigung der Entwicklung schwacher Staatlichkeit und TOK beschäftigten sich am 25. Und 26. Oktober 2014 28 Teilnehmende. Finanzielle Unterstützung erhielt das Forum vom Field of Focus 4 und der Sparkasse Heidelberg.

Einführungsvorlesung

Eine Einführungsvorlesung bildete den Auftakt der Veranstaltung. Regine Schönenberg vom Lateinamerika Institut der Freien Universität Berlin referierte über die Entwicklung der TOK, wobei sie auf historische und regionale Besonderheiten einging. In der jüngeren Vergangenheit sei eine starke Dezentralisierung und Abflachung der Hierarchien zu beobachten. Komplementär dazu wurden die Bestrebungen zur internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Phänomens diskutiert. Damit war der Ausgangspunkt gesetzt für die vertiefende Diskussion von fragiler Staatlichkeit und Globalisierung in den weiterführenden Workshops.

Workshop TOK und fragile Staatlichkeit

Der erste Workshop – gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) konzipiert – beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von TOK und fragiler Staatlichkeit. Annette Idler (University of Oxford) legte im ersten Block die theoretischen Grundlagen und illustrierte die Zusammenhänge von TOK und Gewaltmustern sowie Governance anhand von Beispielen aus ihrer Forschung zum Drogenhandel in Kolumbien. Dabei wurde deutlich, wie kriminelle Akteure schattenstaatliche Strukturen bilden, das heißt dem Staat sein Herrschaftsmonopol entziehen und ihrerseits dessen Funktionen aus-üben. Mögliche Reaktionen hierauf sprach auch Stella Seibert-Palascino (Referat Frieden und Sicherheit; Katastrophenmanagement des BMZ) in ihrem ergänzenden Beitrag zu TOK als Herausforderung für die deutsche Entwicklungspolitik an.

Workshop Globalisierung und TOK

Den zweiten Workshop zum Zusammenspiel von Globalisierung und TOK leitete Judith Vorrath von der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Zunächst verdeutlichte sie die Schwierigkeiten bei der Definition des Phänomens TOK und deren Implikationen für Wissenschaft und Politik. Das Verhältnis zwischen Globalisierung und TOK wurde anhand des Beispiels der Kokainroute durch Westafrika nach Europa vertieft, um abschließend auf die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung dieser Form der Kriminalität zu sprechen zu kommen.

Podiumsdiskussion

Der öffentliche Teil des Heidelberger Dialogs war in diesem Jahr erneut eine Podiumsdiskussion: über Transnationale Organisierte Kriminalität im Informationszeitalter diskutierten Heiko Maas (Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz), Stefan Körner (Vorsitzender des Bundesvorstands der Piratenpartei) und Jürgen Storbeck (ehemaliger Direktor von EUROPOL). Moderiert wurde die Debatte von Moritz Rödle (Saarländischer Rundfunk). Im vollbesetzten Hörsaal 14 debattierten unsere Gäste die Frage, wie Freiheit und Sicherheit im Informationszeitalter in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden können.

Im Laufe der zweitägigen Veranstaltung ging es unter anderem um die Handels- und Betriebswege der TOK, sowie ihre Entwicklung und Bekämpfungsstrategien am Beispiel der Drogenkriminalität. Ebenso wie der legale transnationale Handel, unterliegt auch die TOK einem Professionalisierungs-, Spezialisierungs- und Individualisierungsdruck. Zudem zeigte die Veranstaltung, wie durchsetzt und bestimmt manche Weltgegenden von der TOK sind. Gerade fragile Staaten bieten der TOK einen ungestörten Rahmen. Krimimelle Organisationen bilden dort häufig Parallelstrukturen zum Staat, den sie durch die Übernahme seiner elementaren Funktionen allmählich verdrängen.

Eine ausführlichere Darstellung der Tagung und ihrer Ergebnisse finden Sie im Tagungsbericht, der im Dezember in der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik erschienen ist.


Mit freundlicher Unterstützung:

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