Am Mittwoch den 30.11.2016 luden die Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V, das Heidelberger Center for American Studies und das Forum für Internationale Sicherheit zum Vortrag „Klimawandel und Climate Engineering. Ein Weg aus der Krise?“ ein. Der vortragende Experte zu dem Thema war Thorben Amann, Geowissenschaftler vom Institut für Geologie der Universität Hamburg, der im von der DFG geförderten Forschungsprogramm CEN forscht.

Der Klimawandel und die Risiken, die damit einhergehen, stellen eine globale Herausforderung des 21.Jahrhunderts dar. Seit 1900 kam es zu einem signifikanten Anstieg des atmosphärischen CO2-Gehalts und damit zu einer weltweit kontinuierlich ansteigenden Durchschnittstemperatur sowie zu wetterbedingten Extremereignissen. Auch zukünftig wird ein starker Anstieg der Lufttemperatur prognostiziert, was gravierende Folgen für unseren Planeten haben wird.

Im Zuge dieser Risiken werden der internationalen Staatengemeinschaft zwei Möglichkeiten eröffnet: Entweder weiterzumachen wie zuvor (Anpassung) oder eine Halbierung der CO2-Emmissionen (Mitigation) bis 2050 anzustreben. Eine dritte, sehr neue Option stellt das Climate Engineering als „vorsätzliches, großskaliges Eingreifen in das Klimasystem“ dar, was durch das aktive Entfernen von CO2 (Carbon Dioxids Removal) und die Einstrahlungskontrolle (Solar Radiation Management) erfolgen kann.

Innerhalb dieser zwei Pfade gibt es viele und auch unausgereifte Methoden. Als Positivbeispiele ist die Methode des Enhanced Weathering (beschleunigte Verwitterung) zu nennen, die dafür sorgt, dass die Verwitterung silikatischer Steine das atmosphärische CO2 bindet. Für die künstliche Reproduktion dieses Prozesses, ist der Aufbau einer großen Industrie (vergleichbar mit der weltweiten Kohleindustrie) allerdings notwendig. Besonders großes Potenzial wird der sog. „BECCS“ Methode zugesprochen in der Biomasse in Energie umgesetzt wird sowie entstehendes CO2 abgefangen und langfristig eingelagert wird. Diese Technologie wird trotz aktuell noch bestehender Defizite als die Schlüsseltechnologie bezeichnet, um das von der internationalen Staatengemeinschaft selbstgesetzte 2°C-Ziel zu erreichen. Die Methode der Aerosolausbringung in der Stratosphäre, die dem Strahlungsmanagement-Methoden (SRM) zugehörig ist, bildet den natürlich verlaufenden Prozess der Schwefeloxidausschüttung bei einem Vulkanausbruch in die Atmosphäre nach. Dabei werden Schwefeloxide in die Stratosphäre geschleudert, die dann Aerosole (Tröpfchenwolken) formen. Diese streuen dann wiederum Teile der Sonneneinstrahlung zurück ins All und kühlen damit die Erdoberfläche. Laut Herrn Amann wäre es zum Beispiel mithilfe von Flugzeugen möglich, diesen Prozess der Natur künstlich zu erzeugen. Er betonte allerdings, dass eine CO2-Reduktion zu diesem Vorgang parallel verlaufen müsse. Zudem ging er auf die in der Wissenschaft geläufige Formulierung des „termination problem“ ein. Die Methode der Aerosolausbringung hätte laut Herrn Amann eine solch dramatische Einwirkung auf den Planeten, dass bei Beendigung (termination) einer künstlichen Schwefeloxidausschüttung ein drastischer, stark beschleunigter Temperaturanstieg die Folge wäre. Die Methode könne also nur bei politisch wie finanziell stabilen Bedingungen und in gemeinschaftlicher Anstrengung der Staatengemeinschaft dauerhaft durchgeführt werden.

Climate Engineering verkörpert ein sehr neues Forschungsfeld, das Gefahren und Potenziale birgt. Eingriffe in die Natur stellen ungewisse Risiken und Gefahren dar, die mithilfe noch fehlender Feldstudien unbedingt weiter untersucht werden müssen. Gleichzeitig veranschaulicht Climate Engineering, dass es Möglichkeiten gibt, die den Klimawandel entschleunigen können.