Unsere diesjährige Ausstellung befasste sich unter dem Titel Facing Refugees mit dem dring-lichen Thema der internationalen Flüchtlingsbewegungen. Allein in Syrien hat der weiterhin schwelende innerstaatliche Konflikt zur Flucht von schätzungsweise 6,5 Millionen Menschen geführt. Von diesen 6,5 Millionen Menschen sind etwa über 1,7 Millionen in die Türkei und über eine weitere Millionen im Libanon untergekommen. Die regelmäßig wiederkehrenden Tragödien, die sich im Mittelmeer abspielen, rufen diese Situation immer wieder in das Ge-dächtnis und geben einen ersten Eindruck der Schicksale, welche diese Flüchtlinge erleiden müssen.

Vor dem Hintergrund dieser Eindrücke wird der Themenkomplexe in Deutschland und den anderen Ländern Europas gerade in jüngster Zeit stärker diskutiert. Die deutsche Debatte ist dabei einerseits von Bestürzung und Betroffenheit und andererseits von Unsicherheit ge-prägt. Diese hieraus resultierende Angst äußert sich durch offenen Rassismus bis hin zur Straftat. So finden inzwischen statistisch gesehen in Deutschland pro Woche fünf rassistische Kundgebungen oder Demonstrationen gegen Flüchtlinge statt. Zu Angriffen auf Flüchtlings-unterkünfte kommt es im Schnitt drei Mal pro Woche. Die Flüchtlinge werden zu einer Pro-jektionsfläche der vielfältigen oftmals unbegründeten Befürchtungen der Bevölkerung.

Die Ausstellung verfolgt das Ziel, dieser Tendenz der Entpersonalisierung entgegen zu wirken und den Flüchtlingen wieder ein Gesicht geben. Hierzu präsentierte das Forum für internati-onale Sicherheit Heidelberg (FiS) die Bilder von Martin Gommel, der den Kontakt mit Flüchtlingen im Raum Karlsruhe suchte und in seinen Fotografien und begleitenden Texten überaus respektvoll die Menschen hinter den Flüchtlingsschicksalen porträtiert. Damit rückt das FiS auch in der diesjährigen Ausstellung wieder den Menschen in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zur Eröffnung der Ausstellung konnten wir Johannes Moll als Gastredner gewinnen, der sich im Raum Heidelberg und darüber hinaus aktiv für Flüchtlinge einsetzt, sowohl privat als auch beruflich. Er studierte bis 2012 Islamwissenschaft und arbeitet seit 2014 sowohl beim Flücht-lingsrat Baden-Württemberg, als auch beim Diakonischen Werk Heidelberg als Flüchtlingsberater. Er ist darüber hinaus im Vorstand des Asyl-Arbeitskreises und berichtete uns anhand seiner Erfahrungen von der Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen in Deutschland.

Im Anschluss an den Vortrag erkundigten sich die Zuhörer über diverse Aspekte der alltägli-chen Arbeit der Flüchtlingsberater. Herr Moll berichtete darauf von strukturellen Defiziten im Bereich der Integration. So bestände die Finanzierung von Sprachkursen, eine grundle-gende Erfordernis zur Eingliederung der Flüchtlinge, nur für wenige Wochen. Weiterführen-de Kurse wären dagegen für die Flüchtlinge nicht finanzierbar. Zudem existierten aufgrund zu weniger Sachbearbeiter auch personelle Engpässe, die durch die wachsende Zahl der Flüchtlinge zusätzlich verschärft würden. Hierdurch würden die Bearbeitungszeiten für die Asylanträge deutlich verlängert.