Am Donnerstag, den 25. Oktober 2019 lud das Forum für internationale Sicherheit in Kooperation mit dem Katholischen Universitätszentrum Heidelberg zum Gespräch mit anschließender Diskussion zum Thema „Auf dem Weg ins autokratische Jahrhundert? Das Ringen um eine neue Weltordnung zwischen China und dem Westen“ ein. Zur Podiumsdiskussion war Professor Dr. Herfried Münkler geladen. Die Podiumsdiskussion wurde von Lukas Hassebrauck, dem Vorstand des Forums für internationale Sicherheit, moderiert.

Zum Einstieg wurde skizzierte Markus Brutscher vom Katholischen Universitätszentrum die Leitfrage nach dem Gleichgewicht der Weltordnung angesichts des ökonomischen und militärischen Aufstiegs Chinas. Nach diesen einleitenden Worten begann die Podiumsdiskussion mit der Frage, inwiefern Chinas Aufschwung zu einem Absetzen der USA in ihrer Vormachtstellung in der globalen Ordnung führen könnte. Daraufhin erläuterte Prof. Dr. Münkler, dass ein Durchbrechen der aktuellen Ordnung – mit einer einzigen Weltmacht, die als „Hüterin“ des Allgemeinguts fungiert – eher unwahrscheinlich ist. In der neuen Weltordnung würden sich dahingegen im Idealfall fünf Mächte in Einflusszonen etablieren, namentlich die USA, China, die Europäische Union, Russland und Indien.

Daraufhin wurde nachgefragt, welchen Einfluss China innerhalb der etablierten internationalen Institutionen hat und inwiefern das Herausbilden eigener Strukturen ein Gegenmodell der westlichen Weltordnung darstelle. So würden diese parallele Entwicklungen China mehr Alternativen ermöglichen – jedoch sei das Aufstellen eigener Institutionen eher auf Großregionen eingeschränkt und würden kein globales Ziel verfolgen. In diesem Zusammenhang wurde die maritime Vormachtstellung der USA besprochen sowie mögliche Strategien Chinas, Einfluss auf die Weltmeere zu gewinnen. Angesichts der daraus entstehenden Interessenskonflikte wurden auch sicherheitspolitische Fragen angerissen. Anschließend wurde auch die potentielle Gefahr aus neuen Konflikträumen, wie dem Wirtschafts- und Cyberraum, angesprochen.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs stand die Rolle der Europäischen Union zur Debatte. Fokussiert wurde hier die Frage nach der Umsetzbarkeit der strategischen Autonomie der Europäischen Union. Darüber hinaus wurde beleuchtet, wie die Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union auf die unterschiedlichen Einflussnahmen weiterer Großmächte – wie beispielsweise Russland – basiere. Somit würde die zukünftige Rolle der Europäischen Union hauptsächlich von der Kooperationsbereitschaft der Mitgliedsstaaten abhängen. Schließlich wurden noch die Proteste in Hong Kong sowie innere sicherheitspolitische Herausforderungen Chinas erörtert.

In der anschließenden Diskussionsrunde konnten noch spezifische Fragen gestellt werden, wie zum Beispiel die Auslassung weiterer Mächte wie Japan aus der o.g. Pentarchie oder die Rolle einzelner europäischer Ländern innerhalb der Weltordnung. Darüber hinaus wurde der Unterschied zwischen normativer, an Werten orientierter Politik und geopolitisch-geostrategischen Interessen klar anhand unterschiedlicher Handlungsoptionen dargestellt. Zum Abschluss der gut besuchten Podiumsdiskussion wurde in einem Umtrunk die Diskussion weitergeführt.