„Epidemien und Pandemien als unkalkulierbares Risiko? Regulierung von Gesundheit und Sicherheit in einer vernetzten Welt“

Obgleich MedizinerInnen seit langem vor den Gefahren neuer und alter Krankheiten warnen, vor der Ausbreitung von Krankheitsüberträgern aufgrund des Klimawandels und den möglichen Folgen von Bioterrorismus, ist dies ein Sicherheitsaspekt, der sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Sicherheitsforschung bisher unterrepräsentiert ist. Grund genug daher, dass sich das Forum für internationale Sicherheit Heidelberg in seinem Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit vom 28. Bis zum 30. Oktober 2016 den sicherheitspolitischen Gefahren und Herausforderungen von Pandemien und Epidemien widmete.

Die dreitägige Konferenz zeichnete sich dabei erneut durch intensive und vielseitige Veranstaltungsformate, sowie durch eine überaus interdisziplinäre Zusammensetzung der TeilnehmerInnen aus. PolitikwissenschaftlerInnen, MedizinerInnen, VölkerrechtlerInnen und viele weitere VertreterInnen unterschiedlichster Wissenschaftsbereiche arbeiteten gemeinsam unter Leitung zweier Experten in Workshops und konnten ihr Wissen und ihre Erfahrung erweitern und austauschen.

Die dreitägige Konferenz zeichnete sich dabei erneut durch intensive und vielseitige Veranstaltungsformate, sowie durch eine überaus interdisziplinäre Zusammensetzung der TeilnehmerInnen aus. PolitikwissenschaftlerInnen, MedizinerInnen, VölkerrechtlerInnen und viele weitere VertreterInnen unterschiedlichster Wissenschaftsbereiche arbeiteten gemeinsam unter Leitung zweier Experten in Workshops und konnten ihr Wissen und ihre Erfahrung erweitern und austauschen. Die Konferenz eröffnete mit einer Podiumsdiskussion, die von einer Ausstellung des Deutschen Biosicherheitsprogramms „It’s all about People“ begleitet wurde. Dort diskutierten unter der Moderation von Prof. Dr. Ilona Kickbusch (Global Health Centre, Genf) Dr. Tankred Stöbe (Ärzte ohne Grenzen, Mitglied des internationalen Vorstands) und Oberfeldveterinärin Dr. Katalyn Roßmann (Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr) über die sicherheitspolitischen Implikationen von Epidemien und Pandemien. Die Veranstaltung fand unter dem Titel „Bereit für den Ernstfall? Eine Bilanz des deutschen Engagements in der Ebola-Krise“ statt.

Prof. Dr. Kickbusch konstatierte, dass die World Health Organization die „Ernsthaftigkeit der Epidemie falsch eingeschätzt“ habe. Unilaterale Hilfsmaßnahmen zahlreicher Akteure vor Ort seien mangelhaft koordiniert worden. Politisch habe schlicht der Wunsch bestanden, sich „aus der Verantwortung freizukaufen“. Während zwar in Westafrika ein „lack of capability“ bestanden habe, versagten Europa und andere zunächst an einem „lack of willingness“. Dr. Stöbe unterstrich dies und führte weiter aus, dass ein ernsthaftes „Security-Problem“ für Europa nie bestanden habe. Zum Abschluss der Diskussion zeigte Prof. Dr. Kickbusch auf, dass die internationale Beschäftigung mit Health Security mittlerweile im Rahmen des Gesundheitsministertreffens der G-20 adressiert würde. Unabhängig davon seien jedoch weitere Forschungsanstrengungen nötig, um das künftige Krisenmanagement zu verbessern.

Die Leitung des ersten Workshops unter dem Titel „Pandemien – Sicherheitspolitische Herausforderung in einer globalisierten Welt“ übernahm Prof. Dr. Wolfgang Hein vom GIGA Institute of Latin American Studies, Hamburg.

Die TeilnehmerInnen des Workshops diskutierten zunächst die Spezifika des auf Pandemien anzuwendenden Sicherheitsbegriffs. Maßgeblich dabei sei der Prozess der Versicherheitlichung („Securitization“). Die diskursive Formung der Gefährdung erfolge insbesondere über Medien und sei wenig orientiert an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sicherheit sei in Bezug auf Pandemien als kollektiv und transnational zu verstehen.

In einem in den Workshop eingegliederten Gastvortrag berichtete Dr. Christian Kleine (Ärzte ohne Grenzen) über seine persönlichen Erfahrungen während eines Ebola-Einsatzes in Liberia. Als besondere Herausforderung hätte sich die Kontaminierung medizinischer Infrastruktur mit dem Ebola-Virus herausgestellt, die die Behandlung anderer Krankheiten unmöglich gemacht habe.

Für die Erarbeitung eines Policy-Papers identifizierten die TeilnehmerInnen zunächst Problemfelder der Bekämpfung internationaler Gesundheitskrisen wie z.B. Interkulturalität, Kommunikation, Koordination der Akteure, Flexibilität und Entbürokratisierung, sowie Wissenschaftlichkeit und Emotionalisierung. Diese Themenkomplexe wurden daraufhin in Gruppenarbeiten adressiert, entsprechende Lösungsansätze skizziert und diskursiv zu einem stringenten Dokument zusammengeführt.

Im fertigen Papier fordern die TeilnehmerInnen die Einrichtung einer Stabsstelle für Intervention bei Gesundheitskrisen beim Bundeskanzleramt, die künftig als Knotenpunkt für (inter-)nationale Akteure der Gesundheits- und Sicherheitspolitik dienen könnte und über das Vorliegen eines sicherheitspolitisch relevanten Krisenfalls entscheiden soll. Ferner soll ein zentrales Informationsportal durch die Bereitstellung wissenschaftlich fundierter Publikationen über Gesundheitsrisiken die Aufklärung der BürgerInnen vorantreiben.

Die Leitung des zweiten Workshops übernahm Dr. Johannes Gabriel, Gründer und Direktor von Foresight Intelligence, Berlin. In ihm sollte der Schwerpunkt auf Szenarienbildung liegen. Grundsätzlich wurde davon ausgegangen, dass die internationale Gemeinschaft es im Jahr 2030 mit einer Pandemie zu tun hätte. Untersucht werden sollte folglich, wie Deutschland und die EU mit dieser Situation umgehen könnten.

Die TeilnehmerInnen sammelten dazu in einem stillen Brainstorming Deskriptoren, also Faktoren, die die Szenarien maßgeblich bestimmen könnten. Im nächsten Schritt wurden die Deskriptoren kritisch beleuchtet und durch fehlende Faktoren ergänzt und zusammengefasst. Anschließend markierten alle TeilnehmerInnen vier Deskriptoren, die aus ihrer Sicht die höchste Ungewissheit und die höchste Wichtigkeit für die Szenarien besaßen. So wurden die folgenden sechs Schlüsselfaktoren bestimmt, die die anschließende Szenarienkonstruktion maßgeblich definierten: 1. Migrationsströme; 2. mediales Bild der Krankheit; 3. wie informieren sich Menschen?; 4. Erosion internationaler Organisationen; 5. Zugänglichkeit von Gesundheitsversorgung; 6. Preparedness für Pandemien. Für alle sechs Schlüsselfaktoren wurden anschließend – je nach Komplexität und Art – zwischen zwei und fünf Projektionen abgeleitet, die deren Zustand im Jahr 2030 beschreiben sollten.

Im nächsten Schritt entwickelten die TeilnehmerInnen aus der unterschiedlichen Kombination jeweils einer Projektion der sechs Projektionensets drei Rohszenarien für das Jahr 2030. Danach wurde im Rahmen eines Backcasting-Verfahrens der Weg dorthin plausibilisiert, indem vom Ende her gedacht und chronologisch rückwärts die Ereignisse dargelegt wurden, die notwendig wären, damit es zum beschriebenen Szenario käme.

Mit dem Heidelberger Dialog 2016 organisierte das Forum für internationale Sicherheit erneut eine hochprofessionelle Konferenz, bei der sich Studierende, junge AkademikerInnen und Professionals auf Augenhöhe begegnen, voneinander lernen und Kontakte knüpfen konnten. Dies zeigte auch das bisher eingegangene Feedback zur Konferenz. Sowohl die TeilnehmerInnen, wie auch die geladenen ExpertInnen, aber auch die BesucherInnen der öffentlichen Veranstaltung und Partner und Förderer des FiS sprachen sich überaus positiv für den HDiS aus und blicken bereits mit Neugierde auf die Pläne für den Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit 2017.

Einen Konferenzbericht zum Heidelberger Dialog 2016 finden Sie in der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (Ausgabe 1/2017).


Mit freundlicher Unterstützung:

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