Quelle: Håkan Dahlström, European Union Flag, Bildausschnitt, CC BY-SA 2.0

Europa steht im Jahr 2017 vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Zahlreiche Krisen (darunter vor allem die Eurokrise, der Ukraine-Konflikt und die Flüchtlingskrise) haben die Europapolitik der vergangenen Jahre geprägt und stellen das vereinte Europa, insbesondere die Europäischen Union, vor enorme Herausforderungen. Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren bei ihren Versuchen, mit dieser Vielzahl an Krisen umzugehen, jedoch nicht nur Erfolge erzielen können. Vielmehr sieht sie sich im Angesicht dieser Krisen mit einer präzedenzlosen Welle des Skeptizismus konfrontiert. Das Brexit-Votum als offensives Misstrauensvotum stellt dabei einen neuen Tiefpunkt für die europäische Integration dar.

Mit dem Bratislava-Prozess wurde nun eine neue Phase der Reflexion über den Sinn und die Funktionsweise der Europäischen Union angestoßen. Im März 2017 sind die bald europäischen Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, um anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge über die Zukunft der Europäischen Union beraten. Wohin steuert Europa in dieser allgemeinen Phase der Unsicherheit? Wird das Brexit-Votum der Anfang vom Ende der EU gewesen sein? Kann das europäische Projekt weiter bestehen, sich vielleicht sogar in dieser Phase neu beweisen?

Auch wenn all diese Fragen letztlich auf der höchsten politischen Ebene geklärt werden, so ist es auch Sache der europäischen Bürger, sich diesen zu stellen. Das Forum für internationale Sicherheit möchte zumindest auf regionaler bzw. Heidelberger Ebene einen substanziellen Beitrag zur aktuellen Europadebatte leisten. Aus diesem Grund beginnt anlässlich des Europatages am 09. Mai 2017 ein Europa-Monat, der die wichtigsten Problemfelder und Fragestellungen zur Europäischen Union aufgreift. Unter der Schirmherrschaft des Heidelberger Oberbürgermeisters Prof. Dr. Eckart Würzner finden hierzu in vier aufeinanderfolgenden Wochen Podiumsdiskussionen mit namhaften Referenten aus Wissenschaft und Politik statt.

Alle vier Veranstaltungen sind kostenlos und für alle Interessierten offen. Eine Voranmeldung für die Podiumsdiskussionen ist nicht nötig. Für weitere Informationen sowie zur Anmeldung zu den Workshops wenden Sie sich an: europamonat@fis-hd.de. Für die großzügige Unterstützung der Veranstaltungsreihe danken wir dem Studierenden Rat der Universität Heidelberg, der Fachschaft Politik, dem Institut für Politische Wissenschaft, sowie der Stadt Heidelberg.

Veranstaltung 1:

Alternativen für Europa? Was bedeutet Populismus für die europäische Demokratie? (Mittwoch, 10. Mai 2017, 19:00 Uhr, Großer Rathaussaal Heidelberg)
Offizieller Beginn des Europa-Monats & Podiumsdiskussion, im Anschluss Sektempfang

Ernüchterte Idealisten, enttäuschte Bürger – viele Menschen in Europa fühlen sich von der Politik im „fernen Brüssel“ unverstanden, haben den Glauben an das Projekt Europa verloren und das nicht erst seit der Flüchtlingskrise. In Zeiten der Zweifels und der Verunsicherung treffen Populisten mit ihren nicht selten europaskeptischen Positionen einen Nerv in der Gesellschaft. Sie erheben den Anspruch, für „das Volk“ zu sprechen, sehen sich als Anwälte der Demokratie. Durch Polemik und vermeintlich volksnahe Rhetorik polarisieren sie den politischen Diskurs. Der Kampf gegen den das politische „Establishment“ greift in vielen EU-Staaten um sich und die Erfolge der „populistischen“ Parteien können nicht länger ignoriert werden. Wie aber soll man umgehen mit der Populismus-Welle der letzten Jahre? Bedroht der Populismus die europäische Demokratie oder kann er in Zeiten der Politikverdrossenheit als Weckruf für ein dem Bürger näheres Europa verstanden werden?

Referenten:
Prof. Dr. Michael Hartmann (Technische Universität Darmstadt)
Hanno Burmester (Progessives Zentrum Berlin)
Prof Dr. Hajo Funke (Freie Universität Berlin, tbc)
Moderation:
Donna Joy Doerbeck (FiS Heidelberg)

Veranstaltung 2:

Liebesgrüße aus Brüssel? EU-Russland-Beziehungen auf dem Prüfstand. (Donnerstag, 18. Mai 2017, 19:00 Uhr, Neue Uni – Hörsaal 14)
Podiumsdiskussion, im Anschluss Sektempfang

Nach Jahren der Annäherung zwischen Russland und der Europäischen Union haben die Beziehungen zwischen den beiden Akteuren mit dem Ukraine-Konflikt einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der russische Ministerpräsident Medwedew sprach während der Münchner Sicherheitskonferenz 2016 gar von einer neuen „Ära des Kalten Krieges”. Ist es wirklich schon so weit gekommen oder müssen neue Wege gefunden werden, mit der Politik von Präsident Putin umzugehen? Der Wunsch Russlands, als Global Player auf die Weltbühne zurückzukehren, stellt die EU vor diplomatische Herausforderungen. Was sind die Interessen Russlands in Europa und wie wichtig ist eine strategische Partnerschaft mit der „regionalen Supermacht“?

Referenten:
Dr. Jens Hildebrandt (Stellv. Leiter der FES in der Russischen Föderation)
Dr. Volker Weichsel (Zeitschrift OSTEUROPA)
Michael Gahler (MdEP, CDU)

Moderation:
Elisa Seith (FiS Heidelberg)

Veranstaltung 3:

Auf dem Weg zur Europäischen Armee? Überlegungen zur europäischen Sicherheitsarchitektur in Zeiten von Trump und Brexit. (Mittwoch, 24. Mai 2017, 19:00 Uhr, Neue Uni – Hörsaal 1)
Podiumsdiskussion, im Anschluss Sektempfang

Die Diskussion um eine gemeinsame Europäische Sicherheitsarchitektur ist so alt wie die Diskussion um die EU selbst. Doch nach dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens und der Wahl von Donald Trump zum US-amerikanischen Präsidenten, erfährt die Frage nach einer vertieften europäischen Sicherheitsarchitektur neue Brisanz. Braucht Europa eine handlungsfähige Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik und wenn ja, wie soll diese konkret gestaltet werden? Ist eine europäische Armee nur Utopie oder eine reale Alternative zum Konstrukt der NATO? Welchen Platz wird Europa im 21. Jahrhundert in der Weltordnung einnehmen?

Referenten:
Josip Juratovic (MdB, SPD-Fraktion)
Prof. Dr. Gisela Müller-Brandeck-Bocquet (Julius-Maximilians-Universität Würzburg)
Kapitänleutnant Matthias Heller (Jugendoffizier der Bundeswehr, Bereich Pfungstadt)

Moderation:
Laura Krug (DGAP Berlin)

Veranstaltung 4:

Europa 2030 – Wohin steuert Europa? Ausblick und Szenarien für die Zukunft der EU. (Donnerstag, 01. Juni 2017, Workshop-Programm 15-18 Uhr, Podiumsdiskussion 19:00 Uhr Hörsaal, Institut für Politische Wissenschaft Heidelberg)
Workshops (15-18 Uhr) für Studierende (mit vorheriger Anmeldung), Abschlusspodiumsdiskussion (ab 19 Uhr), im Anschluss Sektempfang

Ob man von den Vereinigten Staaten von Europa oder der Rückkehr zum Nationalstaat träumt – die europäische Idee lässt sich nicht gänzlich umkehren. Doch wie wird diese Idee in Zukunft ausgestaltet? Zum ersten Mal in der Geschichte der EU scheint der stetige progressive Zukunftstrend der Union unterbrochen, die Staatengemeinschaft steht vor einer Zerreißprobe, Euro-Krise, Flüchtlingskrise und der Brexit haben tiefe Gräben aufgetan. Doch was sind die wirklichen Alternativen für ein funktionierendes Europa? Hat die EU noch eine Zukunft – und wenn ja, welche? Wie wird Europa im Jahr 2030 aussehen? In drei Workshops möchten wir über konkrete Zukunftsideen Europas sprechen und am Ende in einer Podiumsdiskussion über Europa 2030 diskutieren.

Workshoptitel und Workshopleiter:

  1. Europa in der Referendumsfalle? Chancen und Risiken europapolitischer Volksabstimmungen (Workshopleiter: Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Universität Hildesheim)
  2. Wer ist die EU – und wenn ja, wie viele? Reflexionen über ein Europa der mehreren Geschwindigkeiten. (Workshopleiter: Sebastian Zeitzmann, Europäische Akademie Otzenhausen)
  3. Europa im Diskurs: Can we make Europe great again? (Workshopleiterin: Marilena Geugjes, Universität Heidelberg)

 
Weitere Informationen zu den Workshop-Inhalten finden Sie hier. Da die Teilnehmeranzahl zu den Workshops leider nur begrenzt ist, bitten wir um eine (formlose) Anmeldung per E-Mail an: europamonat@fis-hd.de.

Referenten:
Dr. Franziska Brantner (MdB, Grüne)
Prof. Dr. Wolf J. Schünemann (Universität Hildesheim)
Dr. Thomas Seibert (Rosa-Luxemburg-Stiftung, tbc)
Sebastian Zeitzmann (Europäische Akademie Otzenhausen)

Moderation:
Franziska Petri (FiS Heidelberg)

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Mit freundlicher Unterstützung:

ZEIT-Stiftung