Die BRICS+ Staaten haben sich als einflussreiche Akteure auf der internationalen Bühne etabliert.

Anteil BRICS+ am globalen BIP
29%
Anteil BRICS+ Weltbevölkerung
55%


Diese Entwicklung signalisiert nicht nur einen Umbruch der globalen Ordnung, sondern stellt auch eine Herausforderung für die bestehende, westlich geprägte Weltordnung dar.

Am 28. und 29. November 2025 fand der Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit (HDiS) zum Thema BRICS Plus – eine neue multipolare Weltordnung? statt.


Bildergalerie

Teilnehmende der Workshops
Auftaktveranstaltung
Referierende der Auftaktveranstaltung
Dr. Stefan Meister
Auftaktveranstaltung
Dr. Alexandra Sitenko
Workshop
Pause
Catering von Mahmouds
Die Referierenden der Workshops
Vorstand Diane Langeloh und Tobias Prolingheuer
Das FiS

Inhaltliche Berichte

Folgt in Kürze

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Hier klicken für einen Bericht zum Workshop Allianz der Autokratien – Zwischen Kooperation und Konkurrenz

Am zweiten Tag der Veranstaltung fanden parallel zwei Workshops statt. Der Tag wurde von gemeinsamem Mittagessen und einer Kaffeepause umrahmt, auch hier boten sich Gelegenheiten zum Networken unter den Teilnehmenden. Leiterin des Workshops “Allianz der Autokratien – Zwischen Kooperation und Konkurrenz” war Dr. Alexandra Sitenko, unabhängige politische Analystin. 

In der ersten Hälfte des Workshops wurde ein Überblick über das BRICS Bündnis und die wichtigsten Staaten gegeben, ergänzend zur Podiumsdiskussion des vorherigen Abends. Dabei wurde ein generelles Grundverständnis über geteilte Ziele, interne Dynamiken der Mitgliedsstaaten sowie einzelner nationaler Interessen vermittelt.

Die fundamentale Intention von BRICS und deren Mitgliedsstaaten wurden durch den Begriff der „Middle Powers“ veranschaulicht, welcher Staaten unterhalb von global dominierenden Mächten umfasst, die die aktuelle Weltordnung nach eigenen Vorstellungen gestalten wollen. Im Fokus der Ausführungen von Dr. Sitenko stand hier die Schaffung einer gerechteren Weltordnung im Interesse der BRICS Staaten.

Anhand der Entstehungsgeschichte von BRICS, der Institutionalisierung des Forums ab 2014 und der Erweiterung zu BRICS Plus vollzogen die Workshopteilnehmenden nach, wie BRICS langsam als eigenständiger internationaler Akteur handlungsfähig wurde. Dafür betrachteten die Teilnehmenden multiple Kooperationsformate wie BRICS Outreach sowie BRICS Plus. Ebenfalls in der Einführung zum Bündnis adressiert wurden die wirtschaftliche und strategische Bedeutung aller BRICS-Staaten anhand relevanter Rohstoffe sowie deren Anteil am Welthandel. 

Ergänzend betrachtet wurden die Positionen von BRICS Plus zu globalen Fragen wie dem Klimawandel sowie der Umstrukturierung und Reformierungsbedürftigkeit der Vereinten Nationen, primär des UN-Sicherheitsrats. Diskutiert wurden hierbei Diskrepanzen zwischen Demokratien und Autokratien, welche BRICS Plus als Forum äußerst unterschiedlich verstehen. 

Final abgerundet wurde der Informationsteil des Workshops durch die Besprechung Brasiliens als aktueller Inhaber des Vorsitzes. Hier betrachteten die Teilnehmenden BRICS Plus aus Brasiliens nationaler Perspektive, welche das Forum als Ort der wirtschaftlichen Kooperation sowie der Diplomatie zur Öffnung neuer Märkte betrachtet.

Nach einer Fragerunde und darauffolgender kurzer Pause startete die zweite Hälfte des Workshops mit einem Planspiel. Die Teilnehmenden nahmen die Rollen der BRICS Plus Staaten Indien, Russland, China sowie Südafrika und der Vereinigten Arabischen Emirate ein. Nach Verinnerlichung der Rollen sollten dann auf einem kurzfristig einberufenen Sondergipfel zwei Kandidaten für die Erweiterung des UN-Sicherheitsrates ausgewählt werden, welcher fiktional durch zwei Kandidaten ergänzt werden sollte. Zur Diskussion stand eine vorgegebene Auswahl an Staaten.

Als Hilfestellung erhielten die Teilnehmenden staatliche Interessenprofile, welche über die diplomatischen Beziehungen zu den jeweiligen Staaten aufklärte und zentrale staatliche Interessen hervorhob. Auf innerstaatliche Beratungen folgte anschließend eine multilaterale Diskussion, um sich über eigene Interessen sowie bevorzugte Kandidaten auszutauschen. Nach spannungsgezeichneten Wortgefechten und kalkulierten Kompromissen wurden anschließend die Staaten Indonesien und Ägypten nominiert.


Hier klicken für einen Bericht zum Workshop Neue Mächte, neue Bündnisse – BRICS+ und G20 im Spannungsfeld

Der zweite Workshop “Neue Mächte, neue Bündnisse – BRICS+ und G20 im Spannungsfeld” wurde von Prof. Dr. Malte Brosig durchgeführt. 

Zunächst wurde klargestellt, dass es sich bei den BRICS weder um eine internationale Organisation (IO) noch um eine strategische Allianz handelt. Es existiert kein Sekretariat und keine Beistandsklausel, ebenso gibt es bisher keine offizielle Webseite. Im Kern stellt BRICS daher eine lose außenpolitische Gruppe dar, die als Summe einzelner Staaten fungiert und Entscheidungen meist auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners trifft. Da BRICS eine multipolare Weltordnung anstrebt, in der das Staatsinteresse und die absolute Souveränität im Mittelpunkt stehen, positioniert sich die Gruppe gegen die strukturelle Dominanz des Westens und die Vorherrschaft des US-Dollars. 

Ein wesentlicher Wert der Mitgliedschaft in der BRICS Gruppe liegt in der Sicherstellung der internen Regimestabilität. Geschlossenes Auftreten auf der internationalen Bühne und das Fehlen von öffentlicher Kritik am jeweiligen Regierungsstil, stärkt das eigene Regime. Gleichzeitig bedeutet gegenseitiger Respekt, dass den Mitgliedstaaten regionale Einflussbereiche anerkannt werden, in denen sie ihre eigenen Interessen durchsetzen können. Auch wenn in der Praxis zwischen den Staaten Indien und China Grenzkonflikte bestehen, werden diese von der öffentlichen Bühne der BRICS Treffen bewusst ferngehalten, um so das Bild der Einigkeit zu wahren. 

Klar ist, dass die Interessen derart divergieren, sodass eine strukturelle Alternative zur Weltbank oder dem UN-Sicherheitsrat auf absehbare Zeit undenkbar ist. Dennoch sind punktuelle Schwächungen der westlichen Dominanz mit der BRICS Gruppe durchaus realistisch. Dieser Logik folgt ebenso eine selektive Institutionalisierung durch die New Development Bank (NDB) oder das Contingent Reserve Arrangement (CRA).

Der außenpolitische Auftritt der BRICS-Staaten wurde während des Workshops besonders am Beispiel von Russlands Invasion in der Ukraine diskutiert. Dieser ist insbesondere durch eine Pfadabhängigkeit geprägt, die bereits seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 besteht. Indem sie eine offene Unterstützung Russlands vermeidet, aber gleichzeitig auf eine explizite Verurteilung verzichtet, bemüht sich die Gruppe das Bild totaler Einigkeit zu wahren. Zwar gab es bereits vorsichtige Kritik durch den indischen Premierminister Modi, der anmerkte, es sei „keine Zeit für Krieg“, doch insgesamt dominiert die Haltung, dass der Ukraine-Krieg kein Problem der BRICS Staaten sei. 

Stattdessen erstarkt innerhalb der Gruppe ein „Active Non-Alignment“ beziehungsweise ein „Multi-alignment“, bei dem insbesondere wirtschaftlich schwächere Länder versuchen, gute Beziehungen zu verschiedenen Handelsmächten aufrechtzuerhalten, anstatt in alte Freund-Feind-Schemata des Kalten Krieges zu verfallen. 

Um eigene Widersprüche zu überdecken und den Westen herauszufordern, wird teilweise das russische Narrativ der NATO-Osterweiterung übernommen. Dies dient beispielsweise in China der internen Selbstlegitimation für die fortgesetzte Kooperation mit Russland. Westliche Sanktionen werden in diesem Kontext als neokoloniales Machtinstrument abgelehnt, da Russland als nicht-westlicher Akteur ein wichtiges Gegengewicht zum Westen darstellt und nicht vollständig isoliert werden darf. Dennoch wird Russland zunehmend auch als wirtschaftliche Belastung wahrgenommen, da die durch den Krieg ausgelöste Instabilität die fragilen Systeme anderer Mitgliedstaaten unter Druck setzt. Gleichzeitig profitieren Länder wie Indien und China ökonomisch von der Situation, da sie Zugang zu vergünstigten Ölpreisen erhalten.

Ein zentrales Argument der Gruppe gegenüber westlicher Kritik ist der Vorwurf der Doppelmoral (unter Verweis auf Konflikte im Irak oder in Gaza), was die moralische Autorität des Westens in den Augen der BRICS Staaten schwächt. 

Der zweite Workshop endete mit einer Diskussion über die Rolle der USA. Die Beziehungen zwischen den BRICS und den USA unter Trump zeigen kein eindeutiges Muster und ändern sich derzeit sprunghaft. Die Politik des Kabinett Trump II zeigt viele Ähnlichkeiten mit den BRICS Ländern, so wird Souveränität wieder stärker ausgelegt und ein harter Kurs in der isolationistischen Außenpolitik gefahren. Gleichzeitig kommt es vermehrt zu Konfrontationen mit einigen Staaten der BRICS. Trump scheint weniger einem klaren Pfad im Bezug auf die BRICS zu folgen, sondern vielmehr aus einzelnen bilateralen Verhandlungen Profit schlagen zu wollen.

In einer kurzen Abschlussdiskussion thematisierten die Teilnehmenden der beiden Workshops neue Erkenntnisse und Gedanken zum Themengebiet und reflektierten die Workshopteilnahme. Gegen 18.00 Uhr endete der Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit 2025 mit der Verabschiedung der Teilnehmenden. 


Bonusmaterial: Die Referenten des HDiS im Interview



Programm

Referierende

Der HDiS 2025 wird von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht.
Für die freundliche Unterstützung und die gute Zusammenarbeit bedanken wir uns herzlich im Namen aller Teilnehmenden.