Zukünftige Veranstaltungen

Die Veranstaltungen für das Jahr 2012 werden in Kürze bekannt gegeben.

 

Heidelberger Dialog
zur internationalen Sicherheit 2011

"The Great Power Shift:
Auf dem Weg ins chinesische Jahrhundert?"

21. - 23. Oktober 2011

 

Mit dem Heidelberger Dialog zur Internationalen Sicherheit 2011 soll im Rahmen von Seminaren, Workshops und einer Podiumsdiskussion ein intensiver Austausch zu den Grundlagen und Grenzen der Macht der Volksrepublik China stattfinden. Auf welchen Säulen ruht die chinesische Macht? Wie stabil sind diese? Die Nachbarländer und die gesamte Welt spüren bereits die Auswirkungen des Aufstiegs, das sich selbst als “Reich der Mitte” bezeichnet. Wie wird China die Welt beeinflussen und verändern? Einerseits ist die wachsende Bedeutung Chinas auf der internationalen Bühne unbestritten. Andererseits offenbaren sich tiefgreifende politische, ökonomische, soziale und ökologische Probleme. Die Veranstaltung zielt darauf ab, die Macht Chinas und die Problemfelder, mit denen das Land konfrontiert ist, aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Einerseits werden die wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Ressourcen, die der chinesischen Macht zugrunde liegen, empirisch betrachtet und analysiert. Andererseits werden die nationale, regionale und globale Ebene beleuchtet.

Ablauf
Ziel des Heidelberger Dialogs 2011 ist die Erarbeitung einer wissenschaftlich fundierten Gesamtschau der unterschiedlichen Facetten, Quellen und Perspektiven der Macht und Stabilität der Volksrepublik China durch die Teilnehmer. Die Veranstaltung sieht zur Verwirklichung dieses Ziels vier verschiedene Veranstaltungsformate vor: theoretische und empirische Seminare, Workshops und eine Podiumsdiskussion.

Die Seminare dauern jeweils 90 Minuten und dienen der Vermittlung grundlegender theoretischer bzw. empirischer Kenntnisse. Die drei parallelen Seminare am Freitagnachmittag befassen sich mit Theorien zu innenpolitischer, regionaler und internationaler Macht. Die drei Seminare am Samstagmorgen, die ebenfalls parallel stattfinden, fokussieren auf die konkrete Macht der Volksrepublik in ökonomischer, militärischer und kultureller Hinsicht. Die Seminare sind so strukturiert, dass die grundlegenden theoretischen Konzepte und empirischen Sachverhalte nach einem einleitenden Vortrag des Seminarleiters bzw. der Seminarleiterin in der Diskussion gemeinsam erarbeitet werden. Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung wird den Teilnehmern ein Reader zur Verfügung gestellt, dessen Inhalte in den Seminaren vorausgesetzt wird.

Den Übergang zwischen theoretischen und empirischen Kenntnissen bildet eine Podiumsdiskussion am Freitagabend. Hier werden hochrangige Vertreter der Kooperationspartner sowie externer Organisationen über den Einfluss des Aufstiegs der Volksrepublik China auf die Strukturen westlicher Sicherheitspolitik debattieren.

Am Samstag finden im Anschluss an die empirischen Seminare parallel sieben verschiedene Workshops zu konkreten Problemstellungen der Macht und Stabilität Chinas statt. Jeder Workshop behandelt eine ausgewählte konkrete Fragestellung, die sich jeweils auf die ökonomischen, militärischen oder kulturellen Machtressourcen Chinas bezieht und auf der innenpolitischen, regionalen oder internationalen Ebene angesiedelt ist. Der Titel und die jeweilige Zuordnung der einzelnen Workshops können der folgenden Übersicht entnommen werden:

Innenpolitik Regionalpolitik Internationale Politik
Ökonomie (inkl. Finanzen, Ressourcen) Bloß nicht aus der Puste kommen! Die Suche nach einer zukunftsfähigen sozioökonomischen Struktur Nachbarn auf Augenhöhe? Chinas Beziehungen zu Russland und Indien China und der Westen: Was wollen wir von China und was wollen wir nicht?

Chinas pragmatische Außenpolitik: Rohstoffhandel und Autokratieförderung
Militär Die neue Supermacht: Chinas militärischer Aufstieg und der Westen
Kultur (inkl. Religion, Ethnizität, politische Kultur) Auf tönernen Füßen? Innerstaatliche Konflikte und demokratische Opposition Asien = China? Die kulturelle Dominanz der Volksrepublik in der westlichen Wahrnehmung

Der Ablauf jedes Workshops gliedert sich in drei Blöcke. Im ersten Block wird der Leiter bzw. die Leiterin des jeweiligen Workshops in einem Impulsvortrag von ca. 15 bis 30 Minuten einen Überblick über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand des jeweils betrachteten Machtfelds geben. Auf dieser Informationsgrundlage aufbauend und an die in den Seminaren und durch die Podiumsdiskussion gewonnenen Kenntnisse anknüpfend, werden die Teilnehmer(innen) der Workshops das jeweilige Machtfeld dahingehend diskutieren, inwiefern und in welchem Ausmaß es der Macht Chinas zuträglich ist, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen sich womöglich für die Herrschenden und die Beherrschten in der Volksrepublik ergeben und in welcher Weise es das “Gesicht” Chinas prägt. Im zweiten Block sollen die Einschätzungen aus der freien Diskussion unter Anleitung des/der jeweiligen Workshop-Leiters/-Leiterin analytisch aufbereitet und in eine strukturierte Form gebracht werden. Hierdurch wird der dritte Block vorbereitet, in dem die Ergebnisse des jeweiligen Workshops auf ein bis zwei Seiten schriftlich zusammengefasst werden sollen. Zur effizienten Gestaltung dieses Arbeitsschritts bitten der/die Workshop-Leiter(in) gemeinsam mit dem Veranstalter jeweils einen bis zwei der Teilnehmer(innen), hierbei die Federführung zu übernehmen. Ziel der Workshops ist somit die Beantwortung der konkreten Fragestellungen und die Erarbeitung einer wissenschaftlich fundierten und auch in einem öffentlichen Kreis vertretbaren Einschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen Lage der Volksrepublik China im Hinblick auf die ausgewählten Machtfelder.

Am Sonntagmorgen werden die Ergebnisse aus den sieben Workshops im Plenum präsentiert und diskutiert. Ein abschließender Wrap-Up dient der abschließenden Diskussion des Themas sowie der Reflexion und Kritik der Veranstaltung.

Kooperationspartner
Das Forum für internationale Sicherheit wird bei der Veranstaltung des Heidelberger Dialogs 2011 von Mitarbeitern und Promovierenden des Regional Powers Network (RPN), beheimatet am Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) in Hamburg, unterstützt. Seit Entstehung des Netzwerkes 2006 ist die Forschung zu den Merkmalen der Regionalmacht China eine zentrale Säule des RPN. Der Heidelberger Dialog 2011 gibt den Mitarbeitern und Promovierenden des RPN die Gelegenheit, ihre Forschungserkenntnisse einer nachwachsenden Generation von Studierenden vorzustellen und sie für die China-Forschung zu begeistern. Gleichzeitig ermöglicht das Veranstaltungsformat den Teilnehmern des Heidelberger Dialogs, eigene Perspektiven im Hinblick auf die verschiedenen Ausprägungen der Regionalmacht China zu entwickeln. Das RPN wird außerdem einige der Teilnehmer des Heidelberger Dialogs 2011 einladen, an der RPN-Konferenz renommierter Regionalmächteforscher Mitte Dezember in Hamburg teilzunehmen und in deren Rahmen auch diese „eigene“ Perspektive zu diskutieren. Finanziell und organisatorisch unterstützt wird die Veranstaltung durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, das Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg sowie die Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg.


 

Veranstaltungselemente

 

Hinweis: Auf Grund der auf 40 begrenzten Teilnehmerzahl und der gleichzeitigen Durchführung der Veranstaltungen können die Teilnehmer nur an jeweils einem Theorie, bzw. Empirieseminar, sowie einem der Workshops teilnehmen.

 

(1) Seminarblock I: Theoretische Grundlagen

Faktoren innenpolitischer Stabilität
Referent: Christian Göbel (Centre for East and South-East Asian Studies, Universität Lund)

Innenpolitische Stabilität, also die effektive Regelung gesellschaftlicher Konfliktlagen, beruht zuvorderst auf der Institutionalisierung einer souveränen Herrschaftsgewalt. Einer nachhaltigen Institutionalisierung von Herrschaft liegt ein mannigfaltiges Bündel an Faktoren zugrunde. Sie gründet auf Seiten des Staates auf einem möglichst lückenlosen Machtmonopol, also auf einer Ausstattung mit polizeilich-justiziellen Zwangsmitteln und ideologischen und finanziellen Anreizstrukturen. In ihrer Beziehung zur Gesellschaft zeichnet sich effiziente staatliche Herrschaft durch eine hinreichende Responsivität des politischen Systems gegenüber Anforderungen sowie durch die Herstellung legitimitätserzeugender Outputs aus. Auf Seiten der Gesellschaft gründet sie auf einer zivilgesellschaftlichen politischen Kultur und akzeptierten sozioökonomischen Verteilungsmechanismen. Mangelhafte innenpolitische Stabilität offenbart sich durch persistente, teilweise gewaltsame politische Konflikte, die sowohl unter gesellschaftlichen Akteuren wie auch zwischen gesellschaftlichen Gruppen einerseits und staatlichen Organen andererseits ausgetragen werden können. Inwiefern bestehende Widersprüche nachhaltig gelöst werden oder ein offener Konfliktaustrag nur unterdrückt wird, entscheidet somit - vermittelt über den in der Bevölkerung vorherrschenden Legitimitätsglauben - maßgeblich über die langfristige innenpolitische Stabilität von Staaten.

 

Was ist regionale Macht und wie entsteht sie?
Referentin: Nadine Godehardt (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg)

Beziehungen zwischen Staaten bergen sowohl Einflussmöglichkeiten als auch Abhängigkeiten. Auch im Zeitalter der Globalisierung sind Beziehungen eines Staates zu seinen Nachbarländern meist der wichtigste Faktor für die Formulierung und Durchsetzung seiner Außenpolitiken. Regionale Gegebenheiten verschiedensten Ursprungs - von geographischen Faktoren bis hin zur volkswirtschaftlichen Performanz einzelner Länder - schaffen Asymmetrien in Beziehungen. Die aus der Asymmetrie entstehenden Abhängigkeiten sind wiederum eine essentielle Machtressource, besonders weil sie abseits der klassischen “hard power” auch eine gewaltfreie Einflussnahme ermöglichen und neue Handlungsoptionen eröffnen. Pragmatische regionale Politik ist geprägt durch die Suche nach Erwartungsicherheit, Minimierung der potentiellen Verwundbarkeit und Ausnutzung der “linkage deals” zur Durchsetzung eigener Ziele. Maßgeblich ist hierbei die Institutionalisierung der eigenen Interessen in regionalen Organisationen, die als legitime Aushandlungs- und Konfliktlösungsplattformen fungieren. Schwächere Staaten versprechen sich von der Teilnahme an solchen Foren Koalitionsoptionen zur Stärkung der eigenen Position und Garantien für eine gewaltfreie Interessensverteidigung. Stärkere Staaten versuchen durch Kompromisse und Zugeständnisse langfristig eine gewaltlose regionale Dominanz zu etablieren bzw. die Transaktionskosten für die Aufrechterhaltung dieser zu minimieren. Eine offene Hegemonialpolitik ist u.U. wesentlich schwieriger, kostenaufwendiger und nicht unbedingt erfolgreicher.

 

Macht auf dem internationalen Parkett
Referent: Siegfried Schieder (Fachbereich III / Politikwissenschaft, Universität Trier)

Die klassische geopolitische Analyse fußt in der Betrachtung globaler Machtkonstellationen. Staaten, getrieben von klaren Interessen, sichern ihr Überleben, ihre Entwicklung und ihren Erfolg durch rationale, realpolitische Kalkulationen - so der Kanon der realistischen Theoretiker der Internationalen Beziehungen. In einer Konfrontation mit Rivalen kann ein Staat nur auf seine militärischen Ressourcen und andere “capabilities” setzen - wirtschaftliches Potential, demographische Stärke, Territorium und technologische Errungenschaften. Wer sich einem stärkeren Gegner gegenübersieht, betreibt Bündnispolitik - ein taktisches und strategisches Balancieren der Machtstrukturen des internationalen Systems. Da die Wahrung der nationalen Sicherheit die oberste Priorität genießt, ist eine rein selbstbezogene Entwicklung mit “absoluten Gewinnen” ungenügend; es gilt, “relative Verluste” zu vermeiden und durch macht- und einflussmaximierende Politik eine stabile Machtordnung zu erreichen. Realistische Theoretiker und die Erfahrungen der Bipolarität des Kalten Krieges haben die Konzeption des machtbasierten, staatlichen internationalen Systems perfektioniert. Das liberale Intermezzo der Jahrhundertwende, die europäischen Experimente mit der Supranationalität und der Diskurs um den normativen Wandel der globalen humanitären und Souveränitätswerte sind in den Augen der realistischen Denkschule allesamt kurzlebige Artefakte in der zyklischen Geschichte der “Great Power Politics”, welche mit ihren objektiven Gesetzmäßigkeit schon bald die Gültigkeit realistischer Annahmen neubelegen wird.

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(2) Podiumsdiskussion: “Der C-Faktor: Wie beeinflusst der Aufstieg Chinas die traditionellen Strukturen westlicher Sicherheitspolitik?”

Diskutanten:
Detlef Puhl (Senior Advisor Emerging Security Challenges Division, NATO)
Manfred Scheuer (Abteilungsleiter "Internationale und europäische Wirtschaft", Deutsche Bundesbank)
Nele Noesselt (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg)
Johannes Pflug, MdB (Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe )

Moderation: Rudolf Geissler (SWR 2)

"Die Enthaltung ist nicht mit Neutralität zu verwechseln."
(Angela Merkel, 18.03.2011)

Die Debatte um die Enthaltung der Bundesrepublik Deutschland in der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates über die Libyen-Resolution im vergangenen März ist nicht nur eine Diskussion über politische Inhalte. Es stellt sich überdies die Frage, welche grundsätzlichen Überlegungen und Kalkulationen internationale Politik im 21. Jahrhundert prägen oder prägen sollen. Kurz gesagt, warum sich enthalten, wenn man nicht neutral ist? Eine Vermutung, die damit einhergeht und uns besonders diskussionswürdig erscheint, ist die Anpassung des außenpolitischen Kompasses der Bundesrepublik vor allem an den Aufstieg Chinas.

Welche Rolle spielt die neue Supermacht im Zusammenspiel der „alten Mächte” und deren Sicherheitsarchitektur? Können Lösungen für globale Probleme überhaupt noch in der „alten Wertegemeinschaft" gefunden werden oder bedarf es dazu neuer Partner? Muss man, um diese zu gewinnen, möglicherweise auch bereit sein, bisherige Überzeugungen zu opfern?

Diese und andere Fragen sollen sowohl von Vertretern der politischen und ökonomischen Praxis als auch von renommierten Wissenschaftlern auf dem Podium und der interessierten Öffentlichkeit diskutiert werden.

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(3) Seminarblock II: Empirische Grundlagen

Hard Power I: Chinas ökonomische Macht
Referent: Heinrich Kreft (Auswärtiges Amt)

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dominierte China die internationale Wirtschafts- und Handelsordnung. Diese Stellung verlor es, versank in Umbrüchen und der ökonomischen Isolation. Bis zu den wirtschaftlichen Reformen von 1978 vegetierte China ohne Einfluss als volkswirtschaftlicher Zwerg. Seit über 30 Jahren befindet sich die Volksrepublik im ununterbrochenen Zustand des wirtschaftlichen Aufschwungs; dabei wird häufig vom Erwachen des Roten Drachen gesprochen. Heute gilt China als „Werkbank der Welt“ und hungrig nach Bodenschätzen. In Folge der Finanzkrise von 2008 rückte China immer mehr als Motor der Weltwirtschaft, u.a als Importeur von Technologieprodukten der Industrienationen, in den Fokus. Dazu stellen Devisenreserven von drei Billionen US-Dollar China in den Kreis der wirtschaftlichen Schwergewichte. Der diplomatische Ton Chinas unterstreicht sein neues Selbstbewusstsein, wie sich im Verhältnis zu den USA im Währungsstreit, aber auch innerhalb der Verhandlungen der G20 aufzeigt. Hindernisse für eine Rückkehr zu alter Stärke sind vor allem in der Gefahr einer „Middle-Income-Trap“ zu sehen: Die günstigen Voraussetzungen für eine weitere Steigerung des Konsumanteils könnten an einem unausgeglichenen Wirtschaftswachstum sowie mangelhaften Finanz- Fiskal-, Steuer-, Sozial-, und Rechtssystemen scheitern. Auf der anderen Seite breitet sich Chinas wirtschaftlicher Einfluss auf der ganzen Welt spürbar aus. Steht die ökonomische Macht Chinas auf tönernen Füßen? Und wenn ja, gibt es überhaupt noch ein Interesse am wirtschaftlichen Scheitern der Volksrepublik? Sind die Diskussionen über den wirtschaftlichen Kollaps Chinas Wunschdenken chinakritischer Gruppen?

 

Hard Power II: Chinas militärische Macht
Referent: Oliver Bräuner (Stockholm International Peace Research Institute)

Der Begriff der Staatsmacht ist eng verbunden mit der militärischen Macht und ist in den meisten empirischen Staatskonzeptionen auch das Kerncharakteristikum staatlicher Souveränität. Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung begann in China auch ein rasanter Ausbau der militärischen Ressourcen. Vor allem die USA, aber auch Europa und regionale Akteure wie Taiwan, Japan und Indien, beobachten diese Entwicklung aufmerksam. Chinas Modernisierung der Streitkräfte, die Verbesserung der Hochtechnologie und der Ausbau der Seestreitkräfte schreiten rasch voran. Mittelstreckenraketen werden gebaut, der erste Tarnkappenjet wurde im Januar 2011 getestet und schon bald soll der erste chinesische Flugzeugträger einsatzfähig sein. Die Befürchtungen der genannten Akteure, nicht nur bezüglich der chinesischen Konkurrenz in der Wirtschaft, sondern v.a. auch hinsichtlich des gleichzeitigen Zuwachses an militärischen Machtmitteln, die als eigentliche „hard power“ gewertet werden, weist auf einige Kernfragen hin: Wie wird China diese militärische Macht nutzen? Ist der Ausbau der militärischen Fähigkeiten gleichzusetzen mit einer aggressiveren Außen- und Sicherheitspolitik? Eine langfristige Entwicklung von der regionalen zur globalen Militärmacht ist wahrscheinlich, während gleichzeitig der bisherige globale Hegemon USA sein Verteidigungsbudget immer weiter kürzen muss.

 

Soft Power: Chinas kulturelle Macht
Referent: Rudolf Wagner (Cluster Asia and Europe in a Global Context, Universität Heidelberg)

Chinas kulturelle Leistungen sind unbestritten. Zahlreiche historische Monumente und bahnbrechende Erfindungen legen hiervon Zeugnis ab. Seit dem 14. Jahrhundert wurde der Beitrag Chinas v.a. zum technologischen Fortschritt jedoch marginal und alsbald vom zeitgleich einsetzenden europäischen Aufschwung überholt. Diesen Rückstand hat das Land bislang noch nicht aufgeholt: So lag bspw. im Jahr 2007 die Zahl der Patentanmeldungen durch chinesische Stellen bei 116,1 je eine Million Einwohner, während im Vergleich die Zahlen für Deutschland fünfmal und für Japan und Südkorea jeweils mehr als 22mal so hoch waren. Chinas Wissensrückstand verringert sich jedoch dramatisch: Die Zahl der jährlichen chinesischen Patentanmeldungen ist von 1995 bis 2007 um 1297 Prozent gestiegen. In „weicher“ Hinsicht ist die kulturelle Hegemonie Chinas über die ostasiatische Region ohnehin seit vielen Jahrhunderten ungebrochen. Das religiöse Amalgam aus daoistischen, konfuzianischen und buddhistischen Traditionen ist in Ländern wie der Mongolei, in Korea, Japan, Taiwan, Vietnam und Singapur ebenso wirkmächtig wie die sprachübergreifend einsetzbare und damit ethnische und nationale Grenzen überwindende chinesische Schrift. Lassen sich aus dieser kulturellen Dominanz des Reichs der Mitte Aussichten für eine zukünftige Blockbildung in Ostasien unter Führung der Volksrepublik ablesen, der sich auch zum Beispiel Japan unterzuordnen hat? Oder scheitert China im Gegenteil an seiner eigenen, nationalistisch überdeckten religiösen und ethnischen Diversität, die insbesondere – Staatsgrenzen überschreitende – Konflikte an seiner Peripherie heraufbeschwört? Oder ist die Frage nach äußerer Hegemonie bzw. innerer Desintegration nur vordergründig kulturell – entscheiden letztlich vielleicht nur Chinas ökonomischer Aufschwung und die sozioökonomische Verteilung des Wohlstands? Die Bedeutung wirtschaftlicher Determinanten ist für die Regierung der Volksrepublik allein schon unter Gesichtspunkten ihrer Output-Legitimation von großer Bedeutung. Doch wie ist um die kulturellen Grundlagen chinesischer Macht bestellt? Sind Rollenvorstellungen und Orientierungsmuster für die Regierenden und die Regierten vorhanden, die in der mehr als viertausendjährigen Geschichte der Kulturnation wurzeln? Welche Rolle spielt in diesem Kontext überhaupt noch die kommunistische Ideologie für die aktuelle Politik des Landes?

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(4) Workshops

„Bloß nicht aus der Puste kommen! Die Suche nach einer zukunftsfähigen sozioökonomischen Struktur“
Workshopleitung: Marcus Conlé (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg), Moritz Rudolf (Forum für internationale Sicherheit Heidelberg)

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik China hat bis zu 600 Millionen Chinesen aus der Armut geholfen. Die ökonomische Entwicklung verläuft jedoch ungleich und die Nachhaltigkeit der Entwicklung wird angezweifelt. Daraus resultiert ein stabilitätsgefährdendes Risiko. Die chinesische Regierung hat sich bereits im 11ten Fünfjahresplan (2006-2010) ein gerechteres und nachhaltiges Wachstum zum Ziel gesetzt. Diese Bemühungen waren bisher zum Großteil erfolglos. Was waren die Gründe für das Scheitern und gibt es für die Zukunft einen Ausweg? Es wird argumentiert, dass die Führungsriege den Bezug zur Bevölkerung vollends verloren hat und die sozioökonomischen Risiken verkennt. Auf der anderen Seite wird der zunehmende Einfluss von Interessengruppen (Lokalregierungen, Staatsbetriebe, Volksbefreiungsarmee, Unternehmer) als das größte Hindernis für tiefgreifende Reformen genannt. Ob die 5te Generation der Kommunistischen Partei in der Lage bzw. bereit sein wird, grundlegende Reformen durchzuführen, soll in diesem Workshop erörtert werden.

 

„Nachbarn auf Augenhöhe? Chinas Beziehungen zu Russland und Indien“
Workshopleitung: Sandra Destradi (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg), Simon Weiß (Institut für Politische Wissenschaft, Universität Heidelberg)

Die nächsten und die größten Nachbarn der Volksrepublik sind ebenfalls Kandidaten auf eine prominente weltpolitische Rolle im XXI. Jahrhundert. Die geopolitische Koexistenz der BRIC-Staaten ist unumgänglich behaftet mit Reibungen und Konflikten - allerdings gibt es auch Kooperationsfelder und Potential für gemeinsamen Fortschritt. Um dieses zu realisieren dürfen die drei nuklearen Mächte auf keinen Fall im zero-sum-thinking verharren, obwohl die frühere Geschichte des Verhältnisses Russlands und Indiens zu China von intensiven, bewaffneten Auseinandersetzungen gezeichnet war. Wie wird sich die Balance in der Region weiterentwickeln? Ist Indiens Wachstums- und Modernisierungstempo hoch genug, um in der Konkurrenz um Rohstoffquellen und Investitionen zu bestehen? Wird das demographische Übergewicht Chinas zur schleichenden Entfremdung und Absonderung des bevölkerungsarmen, aber ressourcenreichen russischen Fernen Ostens führen? Die wesentlichen Grenzstreitigkeiten sind in vergangenen Jahrzehnten beigelegt worden, ob das eine ausreichende Grundlage für die friedliche Entwicklung darstellt ist allerdings unsicher, besonders wenn man die massiven Aufrüstungsprogramme Indiens und Chinas im Blick behält bei gleichzeitiger Stagnation der ehemaligen militärischen Supermacht Russland. Andererseits ist Russland der Hauptausrüster und zum Teil Know-How-Lieferant für seine südlichen Nachbarn. Projekte zur engeren politischen und militärischen Kooperation lassen westliche Beobachter von einer “Anti-Nato” sprechen. Zentrale Fragen des Workshops werden sein, wie viel Regulierungseffektivität SCO, ASEAN und andere internationale Organisationen beweisen können sowie ob aus der Synergie der Riesenstaaten womöglich ein neues Zentrum globaler Kräfte entstehen wird.

 

„China und der Westen: Was wollen wir von China und was wollen wir nicht?“
Workshopleitung: Nicola Nymalm (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg)

Die Veränderung im Verhältnis zwischen China und dem Westen konnte nicht deutlicher demonstriert werden als mit dem gigantischen Bail-out, den die Volksrepublik im Zuge der Finanzkrise 2008/09 leistete. War China früher die Fabrikhalle des Westens, die Einzelteile mit einer geringen Wertschöpfung produzierte, so tritt es nun als gigantische Bank auf. Eine Funktion die geteilte Meinungen hervorruft. Die Positionen im Wirtschaftsverhältnis stehen für Verhandlungen offen. Wenn sich die Volksrepublik nun, wie von der Regierung geplant, zum High-Tech Labor der Welt entwickeln soll, wirft dies die Frage auf wofür China den Westen überhaupt noch braucht - lediglich als Konsumenten? Unter diesen Gesichtspunkten soll in diesem Workshop die Frage behandelt werden: „Was will der Westen von China und was wollen wir nicht?“. Was für Beziehungen könnten daraus zwischen China und dem Westen entstehen?

 

„Chinas pragmatische Außenpolitik: Rohstoffhandel und Autokratieförderung“
Workshopleitung: Nadine Godehardt (Institut für Asien-Studien, GIGA Hamburg), Daniel Baumgartner (Strategieberater Energiewirtschaft/-politik)

Mit Chinas Einführung einer Exportquote der seltenen Erden haben die High-Tech Industrien der Welt gespürt, wie abhängig man von strategischen Entscheidungen Pekings ist. Die USA reagierte auf diesen Schritt mit Androhung eines Handelskriegs und zogen in Erwägung eine Beschwerde bei der WTO einzureichen. Mit dem Aufbau eines Ressourcenpolsters der zukunftsweisenden Metalle zeigt das Reich der Mitte erneut, dass Ressourcen- und Energiesicherheit eines der zentralen politischen und ökonomischen Themen unserer Zeit ist, denn nur mit ausreichend Ressourcen lässt sich Fortschritt sichern. Chinesische Aufkäufer zahlen fast jeden Preis für Industrie- und Agrarrohstoffe, sichern sich mit langlaufenden Verträgen Lieferungen auf Jahre im Voraus und Staatskonzerne beteiligen sich weltweit an Bergbau- und Energieunternehmen. Die Jagd nach den Vorräten schafft neue Allianzen – und gleichermaßen Konflikte. Mit der potentiellen Neuordnung der Weltwirtschaft, treffen nicht nur ökonomische Interessen sondern auch politische Grundsätze aufeinander. Das autokratisch regierte China verfehlt seine Wirkung auf Nachbarn und Gleichgesinnte nicht. Mit den Bestrebungen Chinas und auch Russlands einhergehend ist ein deutlicher Demokratisierungsrückgang zu verzeichnen. Ob diese Trends Auswirkungen auf den Umgang mit globalen Problemen wie Klimawandel, Finanz- und transnationaler Sicherheit haben werden, ist zu diesem Zeitpunkt schwer einschätzbar. Wer die zukünftigen Gewinner in diesem Spiel um Macht und Wohlstand sind, wird zentrales Thema dieses Workshops sein.

 

„Die neue Supermacht: Chinas militärischer Aufstieg und der Westen“
Workshopleitung: David Rösch (Department of Politics and International Studies, University of Cambridge)

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die militärische Dominanz der Vereinigten Staaten nun seit über 20 Jahren unangefochten. Mit dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg der Volksrepublik China und damit einhergehenden zweistelligen Wachstumsraten bei den Ausgaben für die Verteidigung zeichnen sich erstmals Grenzen dieser hegemonialen Stellung ab. Dabei charakterisiert nicht allein die Quantität den Aufstieg militärischer Kapazitäten der Volksrepublik China sondern ebenfalls die Qualität, wie die Tests moderner Kampfflugzeuge, die Entwicklung einer neuen Mittelstreckenrakete und die Modernisierung der Luft- und Seestreitkräfte zeigen. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Strategie der westlichen Staaten aus. Während insbesondere nach 2001 terroristische Gruppierungen, sie beherbergende schwache Staaten und sogenannte Schurkenstaaten die Sicherheitsstrategie der USA und der NATO bestimmten, werden in der jüngeren Vergangenheit die Beziehungen zu den aufsteigenden Mächten, allen voran China, wieder stärker thematisiert. Es ist zu erwarten, dass die sich herauskristallisierende Verschiebung militärischer Machtpotentiale auch die politischen und wirtschaftlichen Einflusssphären der Großmächte beeinflussen - regional wie global. Noch ist die militärische Dominanz der Vereinigten Staaten von Amerika unangefochten. Doch wie ist der militärische Aufstieg Chinas beschaffen und wie nachhaltig ist er? Welche Folgen hat die wachsende Machtprojektion Chinas im westlichen Pazifik? Wie wirkt sich die militärische Machtverschiebung auf die internationale Ordnung aus? Der Workshop zielt darauf ab, die militärischen Kapazitäten Chinas vergleichend zu charakterisieren, mögliche Entwicklungen aufzuzeigen und die politischen Folgen des Aufstiegs zu diskutieren.

 

„Auf tönernen Füßen? Innerstaatliche Konflikte und demokratische Opposition“
Workshopleitung: Christoph Trinn (Institut für Politische Wissenschaft, Universität Heidelberg)

Die globale Bedeutung der Volksrepublik China und ihr neues internationales Selbstbewusstsein kontrastieren mit immer wieder aufflackernder politischer Instabilität im Inneren. Die Nervosität, mit der die Regierung in Peking auf die Unruhen in Tibet im Jahr 2008 oder den Aufruf im Internet zu einer chinesischen “Jasmin-Revolution” zu Anfang dieses Jahres reagiert hat, zeigt, dass sich das autoritäre Regime seiner prekären politischen Lage durchaus bewusst ist. Quellen der Instabilität sind vor allem zwei Konfliktlinien: Zum einen bestehen teils hochgewaltsam ausgetragene Konflikte zwischen dem Han-chinesischen Zentrum und der ethnisch-religiösen Peripherie, primär mit Hinblick auf Tibet und Xinjiang; zum anderen gibt es eine (noch nicht) einheitlich organisierte Opposition, die demokratische Reformen fordert, in einer virulenten Dissidentenbewegung Gestalt findet und sich insbesondere über das Internet Gehör verschafft. Ist China angesichts dieser zahlreichen Konfliktfelder also doch nur “ein Riese auf tönernen Füßen”? Ist eine demokratische Transformation mittelfristig zu erwarten? Zerfällt China gar - wie schon mehrmals in seiner langen Geschichte - in mehrere Staaten? Oder hält die Strategie des Regimes, Repression und Modernisierungsgewinne zu kombinieren, auch in Zukunft?

 

“Asien = China? Die kulturelle Dominanz der Volksrepublik in der westlichen Wahrnehmung”
Workshopleitung: Nicolas Schillinger (Cluster Asia and Europe in a Global Context, Universität Heidelberg)

Was ist asiatische Kultur? Im Bewusstsein der westlichen Bevölkerung nahm die Volksrepublik China in der Antwort auf diese Frage lange Zeit nur eine Nebenrolle ein. Ideologische Differenzen, aber auch ein bis vor wenigen Jahren stark unterentwickelter Reiseverkehr und damit verbundener geringer personeller Austausch, ermöglichten es kleineren asiatischen, westlich orientierten Staaten, sich zumindest außerhalb der Region aus dem Schatten Pekings zu lösen. Die japanischen Exportschlager Sushi, Gameboy und Animes erschufen in den 80er und 90er Jahren ein ganz anderes Bild asiatischer Kultur und die traditionelle Thai-Massage gehört längst zum Standardrepertoire westlicher Hotels und Spas - zu einem Zeitpunkt, in dem der Blick auf die Volksrepublik von Mao-Bibel, Kulturrevolution und dem Tian An Men-Massaker geprägt war. Setzt die Öffnung Chinas Richtung Westen - die VN-Welttourismusorganisation (UNWTO) sagt der Volksrepublik voraus, spätestens 2020 das beliebteste Reiseziel der Welt zu sein - dieser Diversität ein Ende? Nicht nur mit der Einrichtung von Konfuzius-Instituten oder Stipendien für Auslandsstudierende macht sich China daran, sein Image im Westen zu verbessern und die eigene Kultur in einem neuen Licht zu präsentieren. Verändert dies auch unseren Blick auf die Region als Ganzes? Wird Asien zu China? Wie reagieren die kleinen Staaten der Region auf eine solche Entwicklung, die nicht nur kulturelle Eigenständigkeit nach außen bedroht, sondern auch handfeste wirtschaftliche Interessen (Einnahmen der Tourismus- und Unterhaltungsindustrie)?

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Programm
 
Freitag, 21. Oktober 2011

Anreise
 
15:00 -16:00 Uhr
Einführung in die Veranstaltung, Vorstellung
 
16:00 - 16:30
Kaffeepause
 
16:30 - 18:00
Seminar I: Theoretische Grundlagen
 
18:00 - 19:00
Gemeinsames Abendessen
 
19:00 - 21:00
Podiumsdiskussion: “Der C-Faktor: Wie beeinflusst der Aufstieg Chinas die traditionellen Strukturen westlicher Sicherheitspolitik?”

 

Samstag, 22. Oktober 2011

09:00 - 10:30
Seminar II: Empirische Grundlagen
 
10:30 - 11:00
Kaffeepause
 
11:00 - 13:00
Workshops I
 
13:00 - 14:30
Gemeinsames Mittagessen
 

14:30 -16:30
Workshops II
 
16:30 - 17:00
Kaffeepause
 
17:00 - 18:00
Workshops III
 
19:00 – 21:00
Gemeinsames Abendessen im Restaurant “Sudpfanne”

 

Sonntag, 23. Oktober 2011

09:00 - 11:00
Plenum: Präsentation der Ergebnisse aus den Workshops
 
11:00 - 11:30
Kaffeepause
 
11:30 - 12:30
Wrap-Up und Ausblick auf die RPN-Konferenz
 
Anschließend:
Gemeinsames Mittagessen

Abreise

 


 

Anmeldung

Um sich für die Teilnahme am HDiS 2011 anzumelden, klicken Sie bitte hier.


 

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